Fussballklubs zahlen jährlich hunderttausende Franken Bussen

Pyros im Stadion kosten die Schweizer Fussballklubs jährlich hunderttausende Franken. Wer erwischt wird, kassiert ein Stadionverbot. Abschreckend wirkt das ganz offensichtlich nicht.

Wochenende für Wochenende brennt es in den Schweizer Fussballstadien. Hunderte Seenotfackeln, gezündet durch die sogenannten Ultras, begleiten die Spiele. Das ist zwar illegal, aber ist es den Klubs auch egal?
Eine Anfrage im Zürcher Kantonsrat verweist auf diesen Umstand und verlangt Antworten, warum es trotz Illegalität immer wieder zum Zünden von Pyros kommt. In der Verantwortung sind die Vereine. Der FCZ erfreute sich derweil auf Social Media an der «unglaublichen Choreo» seiner Fans am Derby gegen GC vom 21. Februar. Teil davon waren dutzende illegale Fackeln.
Die Freude habe der riesigen Choreo über zwei ganze Sektoren gegolten, präzisiert FCZ-Mediensprecher Michael Fritschi gegenüber Keystone-SDA, also dem selbst kreierten Tribünenbild der Fans. Die Fackeln seien nicht im Fokus gestanden. Der FCZ will keine Pyros im Stadion, dies wird jeweils auch mit Durchsagen kommuniziert. «Wer erwischt wird, kassiert ein Stadionverbot», sagt der Mediensprecher. Genaue Zahlen dazu kommuniziert er nicht.
Zwar gibt es im Letzigrund genug Überwachungskameras. Das Material wird jeweils auch ausgewertet. Wie viel diese bringen, ist aber offen. Wer eine Fackel zündet, vermummt sich in der Regel. Auch, dass die Fans unterschiedliche Kleidungsstücke dabei haben oder sehr einheitlich gekleidet sind, ist bekannt.
Negativ fielen am Derby auch die GC-Fans auf. Ein eigentlich selbst unter Fans verpönter Böller flog über die Tartanbahn bis zu den Fotografen am Spielfeldrand, wo er explodierte. Der Verein verurteilt das Verhalten seiner Fans. «Die Sicherheit im Stadion hat für uns oberste Priorität», schreibt Mediensprecherin Milica Ferreira. Der Verein verurteile das Zünden von pyrotechnischen Gegenständen ausdrücklich.
Der dritte Super-League-Klub im Kanton, der FC Winterthur, reagiert auch auf mehrfache Anfragen nicht. Dabei standen auch seien Fans schon einmal im Fokus. Am 19. Januar 2025 schossen sie ziemlich unkontrolliert in Bern Raketen Richtung Spielfeld – die eigenen Spieler mussten sich in Sicherheit bringen. Ungewöhnlich: Die Fans entschuldigten sich danach für die Aktion. Auch der FCW verurteilte die Aktion «eines kleinen Teils» der Fans.
Wie viel Geld die einzelnen Klubs wegen dem Verhalten ihrer Fans zahlen müssen, bleibt offen. Die Mediensprecher äussern sich nicht zu dieser Frage oder verweisen auf die Liga.
Im Stadion anwesend sind jeweils Vertreter der Schweizer Fussballliga, sogenannte Match Delegates. Sie notieren jeden Verstoss genauestens. Dafür hagelt es Bussen. In der Saison 2024/25 mussten die Profiklubs der beiden obersten Ligen über 1,3 Millionen Franken an die Liga bezahlen. Budgetiert hatte diese gerade mal 780'000 Franken. Schon in der Vorsaison kamen über 1,3 Millionen zusammen.
Nur besonders krasse Fälle gelangen an die Öffentlichkeit. Zuletzt etwa der FC St. Gallen (abwertende Choreo gegen die Polizei und massives Zünden von Pyros) und Servette Genf (massives Abbrennen von Pyros). Die Liga bestrafte den FCSG mit 35'000 Franken.
Beim Entscheid gegen die St. Galler wurde dem Klub die Weisung erteilt, den Inhalt des Entscheids innert 14 Tagen nach Rechtskraft auf seinen öffentlichen Kommunikationskanälen zu veröffentlichen, heisst es bei der Swiss Football League (SFL).
Bei Servette entschieden die Behörden, dass der Verein im nächsten Spiel auf einen Teil der Fans verzichten muss – eine Tribüne wird geschlossen bleiben.
Die Liga will nicht offenlegen, welcher Klub wie viel bezahlen musste, um «keinen Wettbewerb» zu veranstalten. Was ein Klub zahle, sei vertraulich.
Klar ist aber: Die Klubs werden nach jeder Runde lückenlos für das Abbrennen von Pyro- und anderen Feuerwerksartikeln gebüsst, wie Philippe Guggisberg, Mediensprecher der SFL, sagt. Grundlage dafür bilden die Rapporte der Match Delegates. Gänzlich verhindern lässt sich das Abbrennen von Pyros kaum, wie auch Guggisberg einräumt. Massnahmen wie personalisierte Tickets, elektronische Eingangskontrollen oder bauliche Veränderungen könnten das nicht ausschliessen. Diese Massnahmen hatten die Zürcher Kantonsräte in ihrer Anfrage angesprochen.





