Zürcher Stadtrat verteidigt spielzeugfreie Kindergärten

Kisten und Tücher statt Lego und Puppen: Der Zürcher Stadtrat verteidigt den mehrwöchigen Verzicht auf Spielzeug in Kindergärten. Das Projekt habe positive Auswirkungen auf die Kinder.

Beim Projekt «Spielzeugfreier Kindergarten» stehen den Kindern ausschliesslich Kisten, Tücher, Stühle, Tische, Seile, Bretter und Naturgegenstände zur Verfügung. Alle herkömmlichen Spielsachen werden für die Dauer von acht bis zehn Wochen weggeräumt.
Die städtische SVP kritisierte das Projekt harsch und bezeichnete es als «Experiment» an Kindern und «gezielt herbeigeführte Belastung zur Verhaltensformung». Der Stadtrat betont jedoch, dass sich das Projekt nicht gegen Spielzeug richte. Vielmehr sei es ein «Spielen einmal anders», wie er in einer Antwort auf eine SVP-Interpellation schreibt.
Eine wissenschaftliche Auswertung zeige, dass es bei den Kindern «leichte, aber beachtliche positive Entwicklungen» in verschiedenen Lebenskompetenzen gebe. Der Stadtrat nennt dabei Frustrationstoleranz, soziale Initiative, Konzentrationsfähigkeit, soziale Integration und Einfühlungsvermögen in andere Kinder.
Bei einem grossen Teil der Kinder würden sich keine Veränderungen zeigen, was aber ebenfalls kein Misserfolg sei. Negative Entwicklungen würden sich keine zeigen. Auch bei den Eltern komme das Projekt gut an. Über 80 Prozent würden es als positiv oder eher positiv beurteilen.
In einem einzigen Fall mussten die spielzeugfreien Wochen bisher frühzeitig abgebrochen werden. Allerdings sind dem Stadtrat die Gründe dafür nicht bekannt.
Einige Wochen ohne Spielzeug zu verbringen, ist keine Zürcher Erfindung: Das Projekt stammt aus Deutschland und wurde 2002 erstmals im Kanton Aargau durchgeführt. In den Kanton Zürich kam das Projekt schliesslich im Jahr 2013. In der Stadt Zürich startete das Angebot im Schuljahr 2021/22. Seither machten 57 Klassen mit.
Das gewohnte Umfeld zu verändern, eignet sich jedoch nicht für alle Kinder. Jene mit Autismus-Spektrums-Störungen würden weiterhin eine klar strukturierte Lernumgebung brauchen, so der Stadtrat.
Die Lehrpersonen seien deshalb dazu angehalten, zu prüfen, ob für einzelne Kinder besondere Schwierigkeiten zu erwarten seien. Der Entscheid, das Spielzeug für einige Wochen wegzuräumen, liegt bei der Schulleitung und beim Lehrpersonal.





