Der neue Stadtzürcher Hochbauvorsteher will eine «Stadt für alle»

Nach 133 Tagen im Amt hat der Stadtzürcher Hochbauvorsteher Tobias Langenegger (SP) am Mittwoch seine Schwerpunkte auf einem Spaziergang durch Altstetten vorgestellt. Er setzt auf den Schutz von Wohnraum und eine lebenswerte Stadt für alle.

Die Hohlstrasse in Zürich ist lang, unzählige Fahrzeuge fahren vorbei, auf beiden Seiten türmen sich in Altstetten Gebäude auf. Grünraum fällt hier nicht als Erstes auf. Der frühere Kantonsrat Tobias Langenegger wählte am Mittwoch dennoch diesen Ort, um die Medien über seine Pläne für die Stadt zu informieren, die sich um Nachhaltigkeit, gegen Verdrängung und für günstigen Wohnraum drehen. Kurz: «Zürich soll eine Stadt für alle sein», sagte der Hochbauvorsteher.
Der Spaziergang startete bei der Letzisiedlung. Für Langenegger ein gutes Beispiel, wie verschiedene Bevölkerungsschichten an einem Ort leben können. Drei Stiftungen vermieten hier Wohnungen für Familien oder Seniorinnen.
Zweckentfremdung stoppen
An einem ersten grossen Projekt ist Langeneggers Team bereits dran. Seit dem 1. September gelten in Zürich verschärfte Regeln gegen missbräuchliche Kurzzeitvermietungen. Der Wohnraum soll der Bevölkerung zurückgegeben werden, sagte Langenegger.
Ziemlich schnell ging die Umsetzung nach dem Bundesgerichtsentscheid im Mai, mit dem die Stadt gegen Business Apartments vorgehen kann. Langenegger sagte, er sei positiv überrascht gewesen. «Die Verwaltung kann rasch grosse Veränderungen umsetzen», sagte er. Ganz anders sei dies im Vergleich zum Kantonsrat, wo es lange dauere, um Mehrheiten zu finden.
Dass das Thema Business Apartments unter den Nägeln brennt, ist für Langenegger offensichtlich. «Wir haben unzählige Meldungen erhalten. Die Zweckentfremdung des Wohnraums für kurzzeitige Vermietungen wollen wir stoppen», sagte der Hochbauvorsteher. Allein im September gingen bei der Stadt bereits 338 Anzeigen ein, die Alternative Linke, die den Kampf gegen die Kurzzeitvermietungen in Zürich startete, übergab dem Stadtrat eine Liste mit 2200 Adressen.
Auch in heissen Sommern lebenswert
Langenegger legt auch Wert auf die sozialräumliche Dimension der Stadtentwicklung. So soll die laufende Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) auf die Bedürfnisse und Unsicherheiten der Bevölkerung reagieren. Über 500 Rückmeldungen sind dazu eingegangen, die Verwaltung wertet diese derzeit aus. Die Meldungen konzentrieren sich vor allem auf Grünflächen und preisgünstigen Wohnraum.
Ein gutes Beispiel dafür ist für den Hochbauvorsteher die Siedlung einer privaten Genossenschaft an der Ecke Hohlstrasse/Freihofstrasse. Ein grüner, überwachsener und geschützter Innenhof lädt zum Verweilen ein. Journalisten und Stadträte müssen allerdings draussen bleiben – das Gelände ist deutlich als privat gekennzeichnet und wird von Kameras überwacht.
«Günstiger Wohnraum bleibt das wichtigste Thema. Wir wollen aber auch zum Stadtklima beitragen. Auch in heissen Sommern wie diesem soll Zürich lebenswert bleiben», sagte er. Wichtig ist ihm zudem, dass Bauherrschaften mit dem Bestand sorgfältig umgehen. «Ich bin nicht gegen Entwicklung. Aber es muss Lösungen für die heutigen Bewohner geben», so Langenegger. Gebaut werde in Zürich immer noch viel, betonte er.
Lösungen mit Parlament suchen
Lösungen will der SP-Mann mit allen suchen, auch mit dem Stadtparlament. Dieses soll etwa frühzeitig über Bauprojekte informiert werden, auch wenn etwa die Kosten noch nicht sehr genau bekannt sind.
Für die Interviews mit Radio und Fernsehen muss der Stadtrat eine ruhige Ecke suchen. Nicht ganz einfach, bei Strassenlärm auf der einen und Baulärm auf der anderen Seite.




