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GPV Bezirk Winterthur diskutiert über Lokaljournalismus

GPV Bezirk Winterthur
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Winterthur Stadt,

Der Lokaljournalismus steht unter Druck. Am Themenanlass des GPV Bezirk Winterthur wurde diskutiert, wie die unabhängige Berichterstattung gestärkt werden kann.

Zeitungen Apple.
Zeitungen in der ausgedruckten Form. (Symbolbild) - keystone

Wie lässt sich unabhängiger Lokaljournalismus in der Region stärken? Diese Frage diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden, Medien, Wissenschaft, Verbänden und Stiftungen am 9. September in Rikon.

Am Themenanlass des Gemeindepräsidienverbandes (GPV) Bezirk Winterthur waren sämtliche zehn in der Region aktiven Medien vertreten. Der GPV wird das Thema an seiner Herbstversammlung vom 5. November weiterverfolgen. Bis dahin sollen mögliche Massnahmen auf Gemeindeebene vertieft betrachtet werden.

Die unabhängige lokale Berichterstattung steht zunehmend unter Druck. Medienkonzentration und zentralisierte Redaktionen, der Abbau lokaler Kapazitäten, die Zusammenlegung von Titeln sowie sinkende Einnahmen aus Inseraten und Abonnementen führen dazu, dass immer weniger lokal differenziert berichtet wird.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Medien: Ein starker Lokaljournalismus ist eine wichtige Voraussetzung für informierte politische Debatten und ein funktionierendes föderalistisches Milizsystem.

Journalisten
Die unabhängige lokale Berichterstattung steht zunehmend unter Druck. (Symbolbild) - keystone

Vor diesem Hintergrund hat der GPV Bezirk Winterthur am 9. September 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeinden, Medien, Wissenschaft, Verbänden und Stiftungen zu einem Themenanlass nach Rikon eingeladen.

Gemeinsam diskutierten sie, wie der unabhängige Lokaljournalismus in der Region gestärkt werden kann. Organisiert wurde der Anlass von Manfred Leu, Gemeindepräsident Seuzach, gemeinsam mit Prof. Dr. Vinzenz Wyss. Gastgeberin war die Gemeinde Zell.

«Es ist ein Alarmzeichen, wenn sogar die von den Medien kritisch zu beobachtende Politik die Folgen der schwindenden lokalen Berichterstattung beklagt», brachte Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, die demokratiepolitische Bedeutung des Lokaljournalismus auf den Punkt.

Vertreter sämtlicher in der Region aktiver Medien sind der Einladung gefolgt: Spatz News, Tele Z, WNTI.CH, Top Medien, die Elgger/Aadorfer Zeitung, die Winterthurer Zeitung, der Tages-Anzeiger, Radio Stadtfilter, die Andelfinger Zeitung und das SRF Regionaljournal Zürich Schaffhausen. Damit floss ein breites Spektrum unterschiedlicher Medienformen und publizistischer Perspektiven in den Austausch ein.

«Lokaljournalismus hält den Austausch und den Informationsfluss lebendig und trägt zur Meinungsbildung einer vielfältigen Bevölkerung bei. Davon lebt unsere Demokratie, der wir Sorge tragen müssen», sagt Maja Reding Vestner, Gemeindepräsidentin Neftenbach und Präsidentin des GPV Bezirk Winterthur.

Impulse und gemeinsamer Austausch

Prof. Dr. Vinzenz Wyss erläuterte die demokratische Bedeutung des Lokaljournalismus und das Marktversagen bei dessen Finanzierung. Prof. Dr. Guido Keel, Leiter Institut für Angewandte Medienwissenschaft, ZHAW, beleuchtete auf Grundlage der Präsentation von RA Manuel Bertschi die Möglichkeiten und Grenzen der Medienförderung aus juristischer Sicht.

Nina Graf, ehemalige Co-Geschäftsführerin von We.Publish, stellte die gemeinsame Infrastruktur für unabhängige Medien und das Projekt «Dorfkönig» für hyperlokale Nachrichten vor. Nicolas Bernet, Projektleiter Medienförderstrategie Kanton St. Gallen, berichtete über die Erfahrungen und Überlegungen aus seinem Kanton.

Im anschliessenden «World Café» diskutierten die Teilnehmenden, welche Unterstützungsmöglichkeiten realistisch und politisch tragfähig sind, ohne die journalistische Unabhängigkeit zu gefährden.

Findest du unabhängigen Lokaljournalismus wichtig?

Als zentrale Erkenntnisse aus dem Anlass lassen sich festhalten:

  • Der Lokaljournalismus ist von einem Marktversagen betroffen. Über Werbeeinnahmen und Abonnemente lässt sich nicht genügend unabhängige lokale Berichterstattung finanzieren, obwohl diese einen hohen gesellschaftlichen Nutzen hat.
  • Lokaljournalismus ist demokratierelevant. Er ermöglicht unabhängige Information, Kritik und Kontrolle und schafft Grundlagen für lokale Wahl- und Abstimmungsentscheide. Darüber hinaus stärkt er den Zusammenhalt in den Gemeinden.
  • Förderung muss die journalistische Unabhängigkeit wahren. Diskutiert wurden verschiedene direkte und indirekte Ansätze. Klare Kriterien und die Trennung zwischen Finanzierung und redaktionellen Entscheidungen sind dabei entscheidend.

Die Ergebnisse wurden abschliessend in einer Paneldiskussion eingeordnet. Unter der Moderation von Jakob Bächtold, Geschäftsführer von House of Winterthur, diskutierten Claudia Kratochvil, Direktorin des Schweizerischen Gemeindeverbands, Andreas Zoller, Leiter Public Affairs beim Verlegerverband Schweizer Medien, Prof. Dr. Guido Keel, Leiter Institut für Angewandte Medienwissenschaft, ZHAW, sowie Rebecca Vermot, Vorsitzende der Fachkommission Medien der Volkart Stiftung und ehemalige Journalistin.

Winterthur
Blick auf die Stadt Winterthur. - Nau.ch / Simone Imhof

Im Zentrum standen die praktische, politische und finanzielle Umsetzbarkeit möglicher Massnahmen sowie das weitere Vorgehen.

Weiterführung an der Herbstversammlung

Der GPV Bezirk Winterthur sieht Bedarf für eine aufeinander abgestimmte indirekte Förderung auf den Ebenen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Er wird die Erkenntnisse aus der Veranstaltung auswerten und das Thema an seiner Herbstversammlung vom 5. November 2026 weiterverfolgen.

Bis dahin sollen mögliche Massnahmen zur Zukunftssicherung des Lokaljournalismus auf Gemeindeebene vertieft betrachtet werden. Dabei geht es zunächst darum, die diskutierten Ansätze zu konkretisieren und ihren möglichen Beitrag zur unabhängigen lokalen Berichterstattung besser einzuschätzen.

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