SIG setzt nach Restrukturierung auf Effizienz und Flexibilität

Der Verpackungsspezialist SIG blickt nach einem turbulenten Jahr relativ zuversichtlich nach vorne. Der Nahostkrieg macht dem Unternehmen derzeit noch keine grossen Sorgen. Der neue CEO will sich nun zuerst auf die Effizienz konzentrieren.

«Wir können die Wettbewerbsfähigkeit noch verbessern», sagte CEO Mikko Keto, der erst seit dieser Woche im Amt ist, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich. Konkret stellt sich der Finne darunter eine höhere Effizienz auf allen Ebenen vor, also zum Beispiel bei der Beschaffung.
Auch das Portfolio und die Teamstruktur sollen verschlankt werden. «Niemand mag einen Überhang an Führungskräften», meinte Keto am Rande der Konferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Hier gebe es sicher noch Potenzial.
Der neue Manager war zuletzt CEO des dänischen Unternehmens FLSmidth, das Anlagen, Systeme und Dienstleistungen für die globale Bergbauindustrie herstellt. «Ich freue mich, wieder in die Schweiz zu ziehen», sagte Keto. Vor 35 Jahren habe er im Rahmen des Studiums nämlich ein Praktikum in St. Gallen gemacht.
Der neue Konzernchef trifft auf ein Unternehmen, das ein Jahr voller Restrukturierungen hinter sich hat. Nicht zuletzt musste der langjährige CEO Samuel Sigrist das Unternehmen im August per sofort verlassen, da er seine Ziele mehrfach verfehlt hatte.
Das Unternehmen startete daraufhin unter dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Ola Rollén ein Transformationsprogramm, das mit Einmalkosten von 351 Millionen Euro zu Buche schlug, der grösste Teil davon Wertberichtigungen. Unter dem Strich rutschte SIG damit im vergangenen Jahr in die roten Zahlen.
«Die getroffenen Massnahmen sind alle abgeschlossen und werden uns 2026 unterstützen», sagte Finanzchefin Anne Erkens, die bis Ende Februar Interimschefin war. Konkret wurden bestimmte Teilbereiche zum Verkauf gestellt und wenig rentable Produktlinien eingestellt. Ausserdem werden bis Mitte des Jahres zwischen 100 und 150 Mitarbeitende – über alle Länder hinweg – das Unternehmen verlassen, so Erkens.
Die Marktentwicklung dürfte laut SIG wieder etwas anziehen. «In China ist die Talsohle wohl erreicht», sagte die Finanzchefin. Zudem entwickle sich das Geschäft unter anderem in Südostasien und in Amerika gut.
Auch der Iran-Krieg macht dem Management aktuell keine allzu grossen Sorgen. Man könne sowohl auf kurzzeitige Lieferkettenverschiebungen im Nahen Osten als auch auf eine möglicherweise steigende Inflation in Europa reagieren. SIG bietet etwa «Shrinkflation»-Grössen an, ein Vorteil gegenüber dem Hauptkonkurrenten Tetra Pak, der seine Verpackungsgrössen weniger schnell anpassen kann. Die Fabrik im saudischen Riad sei zudem «absolut sicher», hiess es.
Ganz unbesorgt ist das Management aber nicht: «Wir müssen die Lage genau beobachten», sagte Erkens. Einen negativen Einfluss auf das Geschäft könnten etwa steigende Rohstoffpreise haben, falls der Handel eingeschränkt würde.
Schliesslich bekräftigte die Finanzchefin die Strategie, sich auf das aseptische Kartongeschäft zu konzentrieren, aber an gewissen Bag-in-Box- und Standbeutel-Geschäftsbereichen festzuhalten. «Die Trends sprechen für uns», so Erkens.
Ein Blick ins Supermarktregal zeige: «Protein, Protein, Protein.» Neue Produkte in diesem Bereich seien für SIG eine Chance. «Wir werden das Bag-in-Box-Portfolio transformieren», sagte Erkens.






