Zwei Senioren stehen wegen Antisemitismus vor Gericht in Dielsdorf

Zwei gebürtige Tschechen sollen in einer Zeitschrift für Tschechen und Slowaken in der Schweiz eine judenfeindliche Geschichte publiziert haben. Dafür müssen sich die beiden Senioren heute Mittwoch vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verantworten.

Vor Gericht stehen der 89-jährige Autor der Kurzgeschichte und der 77-jährige Redaktor der Zeitschrift «Zpravodaj», übersetzt «Reporter». Seinen Sitz hat das Heftchen im Zürcher Unterland.
Der Redaktor hatte die Geschichte «Gerächter Gastwirt», die vom 89-Jährigen verfasst wurde, geprüft und sich entschieden, sie in der nächsten Ausgabe zu publizieren. Was die rund 350 Abonnentinnen und Abonnenten dann im Mai 2024 in ihrem Briefkasten hatten, war gemäss Staatsanwaltschaft eindeutig antisemitisch.
Der «durchtriebene Izak»
In der Kurzgeschichte ging es um den «durchtriebenen Izak», einen Juden, der eine Wirtschaft in einem tschechischen Dorf kauft. Dorfbewohner kritisieren in der Geschichte, dass die «Wanze» bereits das halbe Dorf in der Tasche habe. Er sei ein «gaunerischer Schurke», der nach Goldstücken schnappe «wie ein Habicht».
Mit solchen Schilderungen habe der Autor das Klischee der geldgierigen, jüdischen Person bedient, welche die Gesellschaft unterwandere. Diese Stereotypen seien Bestandteil nationalistischer Ideologien und würden Juden herabsetzen, so die Anklage.
Die Staatsanwaltschaft fordert für beide, Autor und Redaktor, eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Beim Autor soll der Tagessatz 30 Franken betragen, beim Redaktor 110 Franken, weil dieser offenbar vermögender ist. Wann das Gericht das Urteil eröffnet, ist noch unklar.






