Stadt Zürich

Zürcher uneins: 10 Stutz für Liter Hahnenwasser – ist das ok?

Clarissa Rohrbach
Clarissa Rohrbach

Zürich,

Zürcher Restaurants verlangen unterschiedlich viel für Leitungswasser. Für die einen ist es Service, für andere Gastfreundschaft.

Züriwasser
Einige Lokale sind Teil des Projekts «Drink & Donate». Damit wird pro halben Liter Züriwasser einen Franken gespendet. - Drink & Donate

Soll Hahnenwasser in Restaurants gratis sein? Darüber streitet gerade unser Nachbarland Deutschland. Die Bundestagsfraktion der Linken hat diese Forderung in einem Positionspapier gestellt.

Dies, um gegen zuckrige Softdrinks vorzugehen. Tatsächlich bekommen Gäste in deutschen Lokalen nur selten kostenloses Leitungswasser zum Essen oder Kaffee dazu. Andere europäische Länder sind da viel weiter.

So ist es in Spanien gesetzlich vorgeschrieben, dass Leitungswasser kostenlos angeboten wird. Damit will man den Kunststoffverbrauch senken und die Kreislaufwirtschaft fördern.

Auch in Grossbritannien sind alle Gastronomiebetriebe gesetzlich verpflichtet, Hahnenwasser gratis zur Verfügung zu stellen. In Frankreich gibt es bereits seit 1967 Gratis-Wasser.

Le Landeron
Zürcher Restaurants bestimmen den Preis für Leitungswasser selbst. (Symbolbild) - keystone

In der Schweiz hingegen ist die Gratisabgabe von Hahnenwasser nicht vorgeschrieben. Laut dem Branchenverband Gastrosuisse liegt es in der unternehmerischen Freiheit jedes Betriebes, zu entscheiden, ob dafür ein Preis verlangt wird.

«Es ist eine weitverbreitete Meinung, dass der Konsum von Hahnenwasser in Restaurants nichts kosten dürfe. Das ist falsch», schreibt Gastrosuisse. Der Grund: Auch der Service von Leitungswasser sei eine gastgewerbliche Leistung, für die Kosten entstehen. Diese darf man verrechnen.

Einzige Ausnahme ist das Tessin, wo das kantonale Gastgewerbegesetz verlangt, dass Lokale auf Verlangen gratis Wasser zu einer Hauptmahlzeit servieren. Trotz fehlender gesetzlicher Grundlage bieten über 90 Prozent aller Schweizer Betriebe Hahnenwasser an.

Dies geht aus dem Branchenspiegel 2023 hervor. 62 Prozent verrechnen ihren Gästen nichts dafür. In der Regel kostet das Wasser zwischen einem und drei Franken. Nur wenige Betriebe verlangen fünf Franken oder mehr.

20 Franken pro Liter

Die unternehmerische Freiheit führt in Zürich teils zu horrenden Preisen. So berichtete «20 Minuten» über Leser, die in der Osteria Sazio im Seefeld für einen Liter Wasser 20 Franken zahlen mussten.

Der Wirt Angelo Fancello weist darauf hin, dass das Wasser gefiltert, gekühlt und mit Kohlensäure versetzt sei. Er meint, das Gesamtpaket stimme, da seine Gerichte teils nur 15 Franken kosten. Zudem würden Plakate im Restaurant auf den Wasserpreis hinweisen.

Auch das Bauschänzli verlangt einen happigen Preis für Hahnenwasser. So kostet ein 3-Deziliter-Glas fünf Franken, ein Liter zehn Franken.

Laut Konsumentenschutz sind zehn Franken für einen Liter Hahnenwasser überrissen. «Es kann nicht sein, dass mit überteuertem Leitungswasser der Betrieb quersubventioniert wird», sagt die Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Einkaufen
Laut dem Branchenverband Gastrosuisse liegt es in der unternehmerischen Freiheit jedes Betriebes, zu entscheiden, ob für Hahnenwasser ein Preis verlangt wird. (Symbolbild) - Unsplash

Sie appelliert an die Restaurantbetreiber, den Preis sauber auf der Karte zu deklarieren. «Damit werden Gäste nicht hinters Licht geführt.»

Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Kanton Zürich, findet es schade, dass über die Preispolitik gewisser Betriebe diskutiert wird. «Nicht das Wasser kostet Geld, sondern die Dienstleistung, und das darf, wie in jeder anderen Branche auch, verrechnet werden.»

Pfäffli erklärt, dass zum Servieren von Hahnenwasser eine Karaffe und ein Glas benötigt würden, das Wasser herausgelassen sowie an den Tisch gebracht werden müsse, und danach würden Glas und Karaffe mit Reinigungsmittel gespült und abgetrocknet.

Auch Fixkosten wie Miete, Reinigungsgeräte, Unterhalt sowie Strom- und Heizkosten müssten gedeckt werden. «Bietet man das Hahnenwasser gratis an, muss man andere Preise erhöhen, damit die Rechnung aufgeht und gute Löhne bezahlt werden können», sagt Urs Pfäffli.

Umsatz gespendet

Es gibt in Zürich auch andere Geschäftsmodelle. Viele Lokale setzen auf eine Pauschale für Wasser à discrétion. Im Ooki Pavillon beim Letzigrund und im Grand Café Lochergut zahlen Gäste einmalig vier Franken und können unbegrenzt Wasser trinken.

Auch das Bebek an der Kalkbreite bietet so viel gekühltes und sprudelndes Wasser an wie gewünscht, Kostenpunkt fünf Franken. Einige Restaurants sind Teil des Projekts «Drink & Donate», welches in den glo- balen Süden spendet.

Pro halben Liter des sogenannten «Züriwassers» wird ein Franken für Trinkwasserprojekte gespendet. Für viele Gastrobetriebe ist aber Gratis-Wasser eine Selbstverständlichkeit.

Sollte Leitungswasser im Restaurant gratis sein?

So hat das vegetarische Restaurant Tibits einen Trinkbrunnen installiert, von dem sich die Gäste beliebig bedienen können. Laut den Betreibern zahle sich die Grosszügigkeit langfristig aus.

Auch in den Restaurants der Familie Wiesner Gastronomie, welche Lokale wie das Nooch und das Negishi führt, wird Hahnenwasser kostenlos angeboten. Bei den Wasserstationen können Gäste so viel Wasser holen, wie sie möchten.

«Wir verstehen das als Teil guter Gastfreundschaft, ein Glas Wasser gehört zu einem unkomplizierten und gastfreundlichen Besuch», sagt Sprecher Daniel Schwarz. Ausserdem sei Hahnenwasser ökologisch sinnvoll, da Verpackungen, Abfall und Transportwege reduziert würden.

Die Kosten trage man als Teil des regulären Restaurantbetriebes. Auch Michel Péclard, Inhaber der Pumpstation Gastro, bietet Hahnenwasser gratis an Wasserstationen an.

«Weniger Bestellungen von der Karte bedeuten zwar Opportunitätskosten, doch für uns ist es einfach sonnenklar, dass Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser gewährleistet werden muss.» Vor allem im Sommer müsse man reichlich trinken.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #5036 (nicht angemeldet)

Bald kommen Zeiten wo 10 Franken noch billig ist.

User #2868 (nicht angemeldet)

Ich finde es ok das man auch für Hahnenwasser was verlangt. Schliesslich Arbeitet niemand gratis! Man geht auch nicht ins Restaurant wenn man es nicht vermag was zu Konsumieren!!

Mehr aus Stadt Zürich

Giotto Morandi GC
9 Interaktionen
Nach einem Jahr
Baschi
64 Interaktionen
Baschi
Severin Dressen
10 Interaktionen
Zoo Zürich
FCZ Tuggen
25 Interaktionen
Knapper Sieg

Mehr aus Zürich

gc
4 Interaktionen
So geht Cup!
Yvonne Bürgin, Nationalrätin ZH.
109 Interaktionen
Yvonne Bürgin (Mitte)