Zürcher produziert Horrorfilm auf Schweizerdeutsch

Der Zürcher Filmemacher Loris Mazzeo bringt mit «Il Regalo – Das Geschenk» einen Horrorfilm ins Kino.

Man weiss, dass etwas passieren wird. Nur nicht, was. Und nicht wann. Der Zürcher Filmemacher Loris Mazzeo liebt dieses Spiel mit der Erwartung. Er weiss, wie Bilder wirken und wie sie Spannung erzeugen. Seit vielen Jahren arbeitet er hinter der Kamera, drehte und produzierte Musikvideos für die Schweizer Rapperszene sowie Werbe- und Kurzfilme.
Mit «Il Regalo – Das Geschenk» hat er nun einen Horrorfilm realisiert. Er läuft ab sofort im Kino Stüssihof. Für Mazzeo ist das ein besonderer Moment: «Es freut mich sehr, diese Kinoerfahrung sammeln zu dürfen.»
Bald wird er selbst im dunklen Kinosaal sitzen. Auf der Leinwand läuft sein Film. Doch vermutlich wird er dabei nicht nur der Geschichte folgen. Viel interessanter dürften für ihn die Reaktionen des Publikums sein: Wer erschrickt? Wer lacht? Welche Szene löst welche Reaktion aus?
Denn genau darum geht es Loris Mazzeo: um die Wirkung von Bildern, um visuelle Reize, um die Gedanken, die entstehen, bevor etwas passiert. Mit «Il Regalo» wagt sich der Filmemacher aus Zürich-Höngg in ein Genre vor, das hierzulande kaum etabliert ist. «Eine eigentliche Horrorfilm-Szene gibt es in der Schweiz praktisch nicht – leider», sagt der 43-Jährige.

Wenn Schweizer Horror überhaupt mit einem bestimmten Bild verbunden wird, dann häufig mit abgelegenen Berglandschaften, den Alpen, Volks- sagen und düsteren Legenden. Mazzeo schlägt einen anderen Weg ein. Sein Horror spielt nicht in einer abgelegenen Bergwelt, sondern rund um den Zürichsee.
Gesprochen wird Schweizerdeutsch und Italienisch. Im Zentrum der Geschichte steht die Wissenschaftlerin Olivia Permuzzi. Sie arbeitet an einer technologischen Revolution: Tote Materie soll wieder zum Leben erweckt werden.
Als sie bei ihrem Vater einzieht, schenkt sie ihm aus Dankbarkeit ein Bild. Kurz darauf verreist der Vater für eine Woche und lässt seine Tochter allein im Haus zurück. Was zunächst harmlos wirkt, nimmt eine düstere Wendung: Das Bild ist von einer dunklen Macht besessen.
Es ernährt sich von Olivias Ängsten und Unsicherheiten – und macht aus einem vermeintlich gewöhnlichen Geschenk einen Albtraum.
Handgemachte Effekte
Für Mazzeo ist Horror mehr als reine Schockwirkung. Das Genre verbindet für ihn psychologische Tiefe, Technologie und eine starke visuelle Sprache. Inspiration findet er unter anderem im italienischen Horrorfilm. Auch seine eigenen italienischen Wurzeln spielen dabei eine Rolle.
Besonders angetan h at es ihm der «Old School»-Horror: handgemachte Effekte und die Atmosphäre älterer Filme. «Das alles steht für mich auch im Kontrast zu unserer heutigen Zeit, in der Spezialeffekte, Schönheitschirurgie und KI-generierte Bilder immer p räsenter werden», so Mazzeo.
Produziert hat Loris Mazzeo seinen Film ohne Fördergelder. Rund 20’000 Franken hat er investiert. Gedreht wurde mit seiner Blackmagic-Kamera.
Drehbuch, Regie und Schnitt übernahm er selbst – vieles davon entstand zu Hause. Loris Mazzeo weiss, wie sich auch mit begrenzten Mitteln wirkungsvolle Geschichten erzählen lassen. Mit «Il Regalo» will er nicht nur seinen eigenen Film ins Kino bringen.
Er möchte auch andere Filmschaffende ermutigen, sich an das Genre zu wagen – und dabei nicht darauf zu warten, bis alle technischen und finanziellen Voraussetzungen perfekt sind. Seine Botschaft: «Riskiert etwas. Traut euch.»
«Il Regalo – Das Geschenk» läuft ab sofort jeweils donnerstags um 20.45 Uhr im Kino Stüssihof. Die Vorführungen finden bis zum 29. Oktober statt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.




