Stadt Zürich

    Warum tropische Bananen an der Zürcher See-Promenade?

    Sacha Beuth
    Sacha Beuth

    Zürich,

    Eigentlich hat sich die Stadt Zürich zum Ziel gesetzt, heimische Pflanzen zu fördern. Doch bei der See-Promenade dominierten den Sommer über Exoten.

    Ausgerechnet Bananen
    Zierten als Exoten bis vor Kurzem die Beete am Utoquai: Bananen (l.) und die roten Blüten des Blumenrohrs (r.). - Sacha Beuth

    Das Wichtigste in Kürze

    • Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, die Biodiversität zu fördern – vor allem mit heimischen Pflanzen.
    • Doch bei der See-Promenade dominierten den Sommer über Exoten.
    • Das sorgt für Verwunderung – Grün Stadt Zürich erklärt sich.

    Bis vor Kurzem strahlten die Blumenbeete entlang des Utoquais in Gelb, Violett, Sattgrün und Knallrot. Nun mussten sie dem Winterflor weichen. Doch ohne Frage war der Sommerflor eine Augenweide.

    Auch die Zürcherin Sandra W.* erfreute sich wie unzählige Einheimische und Touristen über die Farbenpracht an der Seepromenade.

    Gleichzeitig störte sie sich aber auch an der Auswahl der Pflanzen. Denn viele davon sind gebietsfremd und der Nutzen für heimische Bienen und andere Insekten als Nahrungsquelle und Lebensraum ist beziehungsweise war gering bis nicht vorhanden.

    «Dabei hat sich die Stadt doch zum Ziel gesetzt, die Biodiversität in der Stadt zu fördern. Und dies vorab mit heimischen Pflanzen», wundert sich Sandra W.*.

    Zürich
    Die Seepromenade in der Stadt Zürich. - Nau.ch / Simone Imhof

    «Einheimische Pflanzen sind für viele spezialisierte Insekten besonders wichtig und haben deshalb bei langfristigen Bepflanzungen Vorrang», bestätigt die Medienstelle von Grün Stadt Zürich auf Anfrage.

    «Aber auch gebietsfremde Pflanzen können heimischen Insekten als Nahrungsquelle dienen. Allerdings sind nicht alle Zierpflanzen ökologisch gleich wertvoll.»

    Viele Flops, wenige Tops

    Dies unterstreicht eine Online-Recherche. So blühen Zierbananen Experten zufolge hierzulande nur sehr selten und benötigen in der Regel sehr grosse Mengen an Wasser sowie regelmässig Dünger.

    Dies trifft aber laut Grün Stadt Zürich nicht auf die Bananen am Utoquai zu: «Die dort gesetzten Bananenstauden benötigten nicht mehr Bewässerung als die übrigen Pflanzen. Wie bei allen Wechselflorbeeten erfolgt eine ausschliesslich organische Düngung unmittelbar bei der Pflanzung. Während der Vegetationsphase wird nicht zusätzlich gedüngt.»

    Das in den gleichen Beeten angepflanzte lateinamerikanische Blumenrohr mit seinen roten Blüten bietet der heimischen Fauna ebenfalls weder Nektar noch Samen, noch dienen seine Blätter als Nahrung für Schmetterlingsraupen.

    Bei den mittelamerikanischen Dahlien kommt es auf die Blütenform an. Ungefüllte und halbgefüllte Blütenformen haben einen hohen ökologischen Nutzen, da die Insekten so problemlos landen und direkt an die Pollen und den Nektar gelangen können.

    Bei stark gefüllten Blütenformen ist der ökologische Nutzen dagegen gering, da die zusätzlichen Blütenblätter für Bienen und Co. wie eine Barriere wirken. Der ursprünglich aus Asien stammende Basilikum bietet dagegen zweifellos eine gute Ergänzung des Nahrungsangebots für nektarsammelnde Insekten.

    Unterschiedliche Aufgaben

    Insgesamt, so sind sich die Fachleute einig, übersteigt der ökologische Wert heimischer Pflanzen jenen der Exoten. Was die Frage aufwirft, warum die Stadt Zürich nicht ausschliesslich auf Erstere setzt.

    Grün Stadt Zürich schreibt dazu: «Grünflächen im öffentlichen Raum erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die repräsentativen Blumenbeete am Seebecken dienen vor allem der saisonalen Gestaltung und der Aufenthaltsqualität. Unsere Gärtnerinnen und Gärtner gestalten die Beete bewusst mit unterschiedlichen Farben, Blütenformen und Blattstrukturen. So entsteht eine abwechslungsreiche, farbenfrohe Sommerbepflanzung von Mai bis Oktober. Danach werden die nicht winterharten Pflanzen entfernt und durch eine Winterbepflanzung ersetzt. In der Regel werden die Beete dreimal jährlich neugestaltet.»

    Sollte die Stadt Zürich bei der Bepflanzung konsequent auf heimische Pflanzen setzen?

    Bei der Pflanzenwahl achte Grün Stadt Zürich darauf, keine ökologisch bedenklichen Arten einzusetzen, sodass die einheimische Flora und Fauna nicht beeinträchtigt werde.

    «Die repräsentativen Wechselflorbeete machen einen sehr kleinen Teil der gesamten Stadtbegrünung aus und ergänzen die vielfältigen, überwiegend ökologisch ausgerichteten Grünflächen um einen gestalterischen Aspekt.»

    Eine Erklärung, für die Sandra W.* wenig Verständnis aufbringt. «Es gibt genügend heimische Pflanzen, welche den Zweck der Repräsentation und der Aufenthaltsqualität ebenfalls erfüllen würden. Warum ausgerechnet tropische Bananen?».

    *Name der Redaktion bekannt

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #4599 (nicht angemeldet)

    Die wurden einem glücklichen..teuer gekauft.

    User #6079 (nicht angemeldet)

    Wir haben ja seit diesem Sommer das Wetter und Klima für exotische Pflanzen. Hat auch einen Vorteil, dann müssen die Bananen nicht mehr durch die Meere transportiert werden.

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