Stadt Zürich

    Tamedia-Protest: Jetzt fordert SP-Badran Journalisten zu Streik auf

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni, Riccardo Schmidlin

    Zürich,

    Tamedia stellt 41 weitere Personen vor die Türe. Heute Dienstag gab es eine grosse Protestaktion vor dem Verlagsgebäude in Zürich.

    00:00 / 00:00

    SP-Nationalrätin Jacqueline Badran ist über den Abbau bei Tamedia entsetzt und fordert einen «kollektiven Streik» von Journalisten. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Tamedia kündigt den Abbau von 34 Vollzeitstellen an, 41 Personen sind betroffen.
    • Mehrere Hundert Menschen demonstrieren in Zürich gegen die geplanten Kündigungen.
    • Die Demonstrierenden fordern vom Verlag einen Kündigungstopp.
    • Auch rot-grüne Politiker waren vor Ort.

    Das Medienhaus Tamedia gab Anfang Oktober den Abbau von 34 Vollzeitstellen bekannt. 41 Personen sind betroffen, 28 davon in der Deutschschweiz. Stattdessen setzt Tamedia verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI).

    Jetzt gehen die Journalistinnen und Journalisten auf die Barrikaden. Vor dem Tamedia-Hauptgebäude in Zürich versammeln sich heute mehrere Hundert Leute.

    Darunter auch Medienschaffende anderer Verlage sowie Politiker aus Solidarität.

    Badran: «Frage mich, wieso SRF-Leute nicht auf Strasse gehen»

    Die Demonstrierenden tragen Schilder mit Sprüchen wie «Tragedia» oder «Wer Qualität fordert, muss Menschen fördern». Sie fordern vom Verlag einen Kündigungsstopp.

    Macht dir er Abbau bei Tamedia Sorgen?

    Auch die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran ist vor Ort. Ihr geht der Protest noch nicht weit genug.

    «Ich frage mich, wieso nicht auch die Leute von SRF auf die Strasse gehen. Dort wird auch massiv abgebaut», sagt sie im Nau.ch-Interview (siehe Video oben). Hinzu kämen Sparmassnahmen bei Verlagen wie CH Media, Ringier oder der NZZ.

    Protest-Aktion ist erst der «Anfang»

    «Es müsste eigentlich eine Solidarität unter den Journalisten geben», findet Badran. «Vielleicht bräuchte es einen kollektiven Streik.»

    So stellt sich die Genossin den Streik vor: Mattscheibe auf SRF, keine Zeitung im Briefkasten, keine News auf dem Handy. Doch die heutige Protestaktion sei schon mal «ein Anfang».

    Die Situation für die Medien bezeichnet die Politikerin als «katastrophal». Früher habe sie viel mehr gelernt, wenn sie die Zeitung gelesen habe.

    Politik ist auf starke Medien angewiesen

    Dazu komme die Bedeutung der Medien für die Politik. «Dort passiert der direktdemokratische Diskurs.»

    Badran fordert starke Medien. «Was soll ich denn sonst machen? Mit dem Megafon rumlaufen?»

    00:00 / 00:00

    Auch die grüne Nationalrätin Marionna Schlatter hat gar keine Freude über den Abbau bei Tamedia. - Nau.ch

    Die grüne Nationalrätin Marionna Schlatter bläst ins gleiche Horn. «Uns Journalistinnen und Journalisten sollte es besonders interessieren, wie es der Medienlandschaft geht. Wir sind darauf angewiesen, dass der Journalismus funktioniert und die Medien über unsere Arbeit berichten.»

    Dem KI-Trend im Journalismus steht sie skeptisch entgegen. «Ich möchte nicht nur KI-generierten Journalismus lesen. Die Recherche, das Einordnen und dabei die Historie im Kopf haben, das kann die KI so nicht leisten.»

    Leser wollen keinen KI-Journalismus

    Unter den Protestierenden waren auch Abonnentinnen und Abonnenten.

    «Es ist mir wichtig, dass nicht KI unsere Informationen schreibt. Sondern dass wir weiterhin menschengemachten Journalismus lesen dürfen», sagt eine 51-jährige Architektin und Abonnentin des «Tages-Anzeigers».

    Dies sei wichtig für die Demokratie. «Denn KI ist manipulativ.»

    Liest du gerne KI-generierte Zeitungsartikel?

    Die Geschäftsleitung hielt sich beim Protest im Hintergrund. Stellung bezieht dafür Tamedia-Sprecher Edi Estermann.

    «Ich verstehe den Ärger und den Frust von den Leuten und es ist gut, dass sie ihrem Ärger Ausdruck verleihen. Hinter jeder Stelle, die wir abbauen, steht ein Mensch», sagt Estermann.

    00:00 / 00:00

    Tamedia-Sprecher Edi Estermann nimmt Stellung zum Protest vor dem Verlagsgebäude. - Nau.ch

    Die Personalmassnahmen umzusetzen, sei auch für den Verlag eine «schwierige Zeit». Gleichzeitig verteidigt Estermann die Massnahmen mit Verweis auf den disruptiven Medienmarkt.

    «Wir müssen uns den neuen Gegebenheiten anpassen. Es geht gar nicht anders.» Denn: «Nur ein wirtschaftlich gesundes Medienhaus kann auch weiterhin Qualitätsjournalismus bieten.»

    Tamedia verneint Abo-Verluste wegen Sparmassnahmen

    Zudem betont er, dass die KI vor allem zur Unterstützung eingesetzt und den Qualitätsjournalismus nicht ersetzen werde. Etwa zum Übersetzen, zum Gegenlesen oder zum Transkribieren von Interviews.

    Laut einem Redner der Belegschaft kam es bei Tamedia kürzlich zu mehreren Dutzend Abo-Abbestellungen. Die Geschäftsleitung habe dies auf den Protestaufruf zurückgeführt.

    Tamedia-Sprecher Edi Estermann stellt dies in Abrede. Die Geschäftsleitung habe die gekündigten Abonnements nicht darauf zurückgeführt, sagt er.

    Auch sei die Anzahl nicht auffällig. «Es gibt bei den Abos immer wieder Schwankungen.»

    Kommentare

    User #1255 (nicht angemeldet)

    Streiken ist das Rezept der Linken und Gewerkschaften. Ob es etwas bringt ?

    User #2036 (nicht angemeldet)

    Die Demos der Linken kennen wir zu genüge. Wir möchten lieber Frieden.

    Mehr aus Stadt Zürich

    andrina
    13 Interaktionen
    «Nähen»
    Tamedia
    3 Interaktionen
    In Zürich
    Pink Monday
    8 Interaktionen
    Die Bilder!
    Zürich

    Mehr aus Zürich

    Squishies
    37 Interaktionen
    Fake-Marken