Stadt Zürich

    So hält die Stadt Zürich Senioren fit

    Clarissa Rohrbach
    Clarissa Rohrbach

    Zürich,

    Auf dem Zürcher Spielplatz Bachwiesen lädt ein Gesundheits-Parcours ältere Menschen zum trainieren ein. Dabei geht es vor allem um das Zusammensein.

    Markus Bühler erklärt einer neuen Teilnehmerin die Brücke.
    Markus Bühler erklärt einer neuen Teilnehmerin die Brücke. - Clarissa Rohrbach

    Donnerstag, 10 Uhr. Die Seniorinnen und Senioren stehen voller Tatendrang auf dem Spielplatz Bachwiesen in Albisrieden ZH. Dick eingepackt in ihren Jacken hören sie den Instruktorinnen zu, die ihnen die erste Übung des Gesundheitsparcours erklären, der Tandemgang am Geländer.

    «Hier übt ihr Gleichgewicht und Koordination», sagt die Freiwillige Marie Louise Friedez und zeigt auf die Informationstafel. Die Frauen setzen einen Fuss vor den anderen, als ob sie auf einer Linie laufen würden. Sie schauen konzentriert auf den Boden, zuerst laufen sie unsicher, dann immer schneller.

    «Balancieren ist nicht meine Stärke», sagt eine 87-Jährige und gibt nach einer Runde um den eingezäunten Baum auf. «Man muss ja nicht alles mitmachen.»

    Der 75-jährige Paolo Riso, der jüngste der Gruppe, macht aus Spass Liegestützen am Geländer. Die anderen lachen, das Training ist vor allem eine Gelegenheit, um zusammen zu sein, man nimmt es nicht so bitterernst.

    Mit dem neuen Gesundheitsparcours will die Stadt den öffentlichen Raum für die Gesundheitsförderung älterer Menschen aufwerten und gleichzeitig den generationsübergreifenden Austausch fördern.

    Die Kniebeugen sind für viele Seniorinnen und Senioren ein Kinderspiel.
    Die Kniebeugen sind für viele Seniorinnen und Senioren ein Kinderspiel. - Clarissa Rohrbach

    Das Pilotprojekt in Albisrieden startete am 11. September, bis Mitte November instruieren Freiwillige jeweils am Donnerstagmorgen die Teilnehmer. Das Angebot ist rund um die Uhr selbständig und kostenlos zugänglich.

    Die Übungen wurden in die vorhandene Infrastruktur integriert, so trainiert man mit Geländer, Sitzbänken oder Steinskulpturen. Der Parcours besteht aus sechs Informationstafeln, auf denen auch ein QR-Code gescannt werden kann, der zum Video der Übung führt.

    «Wir wollten ein niederschwelliges Angebot für alle schaffen», sagt Markus Bühler, Projektleiter des Gesundheitsparcours und Mitarbeiter Quartierassistenz bei der Fachstelle Zürich im Alter, der das Projekt umgesetzt hat.

    Ziel sei es, durch sturzpräventive Übungen und Bewegung die Seniorinnen und Senioren zu bestärken und die soziale Integration zu fördern. Der Gesundheitsparcours unterstütze das Gemeinschaftsgefühl im Quartier.

    So habe er erlebt, dass Eltern mit Kinder die Seniorinnen und Senioren ansprechen oder diese nach dem Training noch einen Kaffee trinken.

    Kraft schwindet im Alter

    Die zweite Übung findet auf einer Bank statt. Die Seniorinnen müssen die Brücke machen, also liegend das Gesäss heben. «Heute ist kein Tag zum Turnen», sagt Elisa Schelbert und wischt mit einer Zeitung die nasse Bank trocken. Im Alter verliere man Kraft, das sei normal, desto wichtiger sei es, aktiv zu bleiben.

    Danach machen die Teilnehmer Liegestützen an einer Steinskulptur. Für einige ist das einfacher als für andere. Der Trick: Je näher am Stein, desto leichter fällt es einem.

    Auch der dynamische Einbeinstand, eine Übung für das Gleichgewicht, bei der man länger auf einem Bein balancieren muss, ist für die Teilnehmerinnen spannend. Eine Frau wankt, eine andere versucht konzentriert die Balance zu halten.

    Die Quartierbewohnerinnen Margrit Züger (l.) und Marie Louise Friedez wandten sich mit ihrer Idee an den städtischen Mitarbeiter Markus Bühler.
    Die Quartierbewohnerinnen Margrit Züger (l.) und Marie Louise Friedez wandten sich mit ihrer Idee an den städtischen Mitarbeiter Markus Bühler. - Clarissa Rohrbach

    Anneliese Egger (86) packt die nächste Übung, die Kniebeugen, voller Elan an. Sie geht in die Hocke und dann wieder hoch, die Arme ausgestreckt. «Die Schwierigkeit ist, nicht abzusitzen.»

    Ihre Kollegin witzelt: «Wenn das Füdli nass ist, bist du unten.» Egger, die im Altersheim Mathysweg wohnt, will so lange wie möglich fit bleiben. «Wenn ich mich zwei Tage lang nicht bewege, werde ich schwach.»

    In der Gruppe sei sie motivierter, Sport zu machen, als alleine. Beim Zehen- und Fersenstand sind die Seniorinnen zurückhaltend. Die Übung ist zwar einfach, doch die Kletterburg, an der man sich festhält, befindet sich auf unebenem Boden.

    Die mutige Caterina Napoli (80) schaukelt auf den Füssen hin und her, lacht, und nimmt es nicht so genau. «Es ist vor allem eine Abwechslung zum Alltagstrott.» Die Idee für das Bewegungsangebot im öffentlichem Raum stammt von Quartierbewohnerinnen Marie Louise Friedez (73) und Margrit Züger (76).

    Es begann während Corona, als älteren Menschen empfohlen wurde, sich draussen aufzuhalten. «Wir wollten einen Treffpunkt im Quartier schaffen», sagt Friedez. Es sei ein langer Prozess gewesen, desto stolzer seien sie darauf, dass es geklappt hat.

    Beim städtischen Mitarbeiter Markus Bühler sind die Initiantinnen sofort auf offene Ohren gestossen. Der ausgebildete Physiotherapeut hat die Übungen entwickelt, mit Seniorinnen und Senioren getestet und konnte so sein Masterstudium in Gesundheitsförderung und Prävention für die Umsetzung eines Herzensprojekts nutzen.

    Trainierst du gerne draussen?

    «Das Projekt zeigt, dass es möglich ist, Ideen von Bürgerinnen und Bürger umzusetzen», sagt Bühler.

    Ausbau möglich

    Das Pilotprojekt läuft bis Ende 2027, danach wird evaluiert, ob das Angebot auch an anderen Orten in der Stadt ausgebaut wird. Laut Bühler haben bereits andere Quartiere Interesse gezeigt. «In der Stadt gibt es 164 Spielplätze, das Infrastrukturpotential ist vorhanden, den Bedarf gilt es vorab noch zu klären.»

    Nach einer Stunde laufen die Seniorinnen wieder von dannen. Einige mit Rollator oder mit Stock. Ein gutes Gefühl, dass sie etwas für ihre Gesundheit getan haben, erfüllt sie. Frische Luft, sich bewegen und lachen, das hält Körper und Geist jung.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #2922 (nicht angemeldet)

    Und? Windeln wechseln besorgen die Linksgrünen auch gleich noch?

    User #4025 (nicht angemeldet)

    Meldet euch an ab 80 , Marathonlauf um den Zürichsee !

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