Niedrigwasser: Rhein-Kraftwerke produzieren deutlich weniger Strom

In Rheinau bricht die Stromproduktion um 60 Prozent ein, in Eglisau ZH um 35 Prozent. Kleine Kraftwerke an der Töss stehen sogar still.

Das Wichtigste in Kürze
- Niedrigwasser bremst die Kraftwerke Rheinau und Eglisau-Glattfelden stark.
- Eglisau produziert 35 Prozent weniger Strom, Rheinau sogar 60 Prozent weniger.
- Auch Treibstofftransporte auf dem Rhein werden massiv teurer.
Der tiefe Wasserstand im Rhein bremst die Stromproduktion der Kraftwerke Rheinau und Eglisau-Glattfelden im Kanton Zürich stark. Laut Axpo-Sprecher Martin Stutz laufen in Eglisau derzeit nur drei von sieben Turbinen, in Rheinau eine von zwei.
Eglisau produziert 35 Prozent weniger Strom als im langjährigen Mittel, Rheinau sogar 60 Prozent weniger, wie der «Tagesanzeiger» berichtet.
In Rheinau flossen im Juli 2025 durchschnittlich 299 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Turbinen. Im Juli 2026 waren es 211 Kubikmeter.
Am 11. August 2026 waren es nur noch 144 Kubikmeter. Der langjährige Mittelwert liegt bei 360 Kubikmeter pro Sekunde.
Rhein-Kraftwerke produzieren deutlich weniger Strom
Noch stärker betroffen sind kleine Wasserkraftwerke an der Töss. Zwischen Rikon und Sennhof ZH steht die Stromproduktion derzeit still.
Die Hermann Bühler AG betreibt dort drei Anlagen. Geschäftsführer Martin Kägi sagt, sie seien seit Mitte Mai fast durchgehend abgestellt gewesen.
Grund ist der Wassermangel. An der Messstelle Töss-Rämismühle wurden am 12. August nur rund 120 Liter pro Sekunde gemessen. Für den Betrieb braucht es technisch mindestens 600 Liter pro Sekunde.
Wegen Gewässerschutzvorgaben darf im Schöntal in Rikon erst ab mehr als 800 Litern pro Sekunde Wasser entnommen werden.
Wassermangel legt kleine Kraftwerke still
Langfristig beobachtet Kägi trockenere Sommer und nassere Winter. Das könne für kleine Kraftwerke auch Vorteile haben. Denn: In nassen Wintermonaten produzieren sie mehr Strom, wenn Nachfrage und Strompreise höher sind.
Auch Axpo beobachtet die Folgen des Klimawandels für die Rheinkraftwerke. Belastbare Prognosen sind laut Stutz aber noch nicht möglich.
Klar sei nur: Wärmere Winter bringen mehr Regen statt Schnee und damit mehr Abfluss im Winter. Im Frühling und Sommer steht dagegen weniger gespeichertes Schmelzwasser zur Verfügung.
Niedrigwasser verteuert Benzin deutlich
Das extreme Niedrigwasser am Rhein lässt auch die Transportkosten für Treibstoffe in die Schweiz massiv in die Höhe steigen. Branchenvertreter beziffern den Effekt auf bis zu 16 Rappen pro Liter Benzin.
Die Versorgung bleibt allerdings gewährleistet. Möglicherweise müssen jedoch Reservelager angezapft werden.
Aktuell kostet der Transport von Rotterdam nach Basel rund 240 Franken pro Tonne. Bei normalen Wasserständen sind es lediglich 22 bis 28 Franken, sagte TCS-Sprecher Marco Wölfli zur Nachrichtenagentur AWP.
Aufgrund des geringen Wasserpegels können Frachtschiffe nur einen Bruchteil ihrer vorgesehenen Beladung transportieren. Folglich steigen die Frachtpreise, um die Kosten zu decken.
Zudem ist der Rhein in Kaub bei Mainz in Deutschland derzeit faktisch unterbrochen: Schiffe aus den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen könnten nicht mehr durchgehend bis Basel fahren.







