Legionellen: Gefahr aus dem Wasser-Hahn – wie ist es in Zürich?

Nicht nur in Basel, auch in Zürich sind Menschen an Legionellose erkrankt. Kantonsärztin Bettina Bally ordnet die Situation ein.

Nicht nur in Basel, auch in der Stadt Zürich sind Menschen kürzlich an Legionellose erkrankt. Bettina Bally, stellvertretende Kantonsärztin im Amt für Gesundheit, ordnet die Situation ein.
Redaktion: In Basel kam es kürzlich wegen Legionellen zu einem Todesfall. Zudem mussten ein paar Dutzend Personen hospitalisiert werden. Wie ist die aktuelle Situation in Zürich?
Bettina Bally: Legionellose-Fälle treten üblicherweise vereinzelt auf. Im Jahr 2026 wurden im ganzen Kanton Zürich bisher 65 Fälle registriert. In der Stadt Zürich wurden 2026 bisher 10 Fälle gemeldet.
Der letzte Fall wurde am 31. Juli gemeldet. Hinweise auf eine aktuelle Häufung in der Stadt Zürich liegen jedoch nicht vor.
Redaktion: Wo ist die Ansteckungsgefahr am grössten und welche Personen sind besonders gefährdet?
Bally: Eine Ansteckung ist überall dort möglich, wo sich Legionellen in wasserführenden Anlagen vermehren und als Aerosole eingeatmet werden. Entscheidend sind Betrieb und Unterhalt, nicht das Alter des Gebäudes.
Auch Neubauten können betroffen sein, etwa bei zu tiefen Warmwassertemperaturen oder Wasserstillstand. Besonders gefährdet sind ältere, chronisch kranke, immungeschwächte und rauchende Personen.

Redaktion: Was sind Legionellen?
Bally: Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen. Unter günstigen Bedingungen – etwa einer Wassertemperatur zwischen 25°C und 45°C – können sie sich in Warmwassersystemen, Kühltürmen und anderen wasserführenden Anlagen vermehren.
Redaktion: Wie kann man kontaminiertes Wasser erkennen und was ist zu tun, wenn Gerätschaften und Wasser befallen sind?
Bally: Eine Belastung mit Legionellen lässt sich weder mit blossem Auge noch anhand von Geruch oder Geschmack erkennen. Wichtig sind deshalb allgemeine Vorsorgemassnahmen und fachgerechte Kontrollen.
Bei Verdacht sollten sich Mieterinnen und Mieter an die Verwaltung oder Eigentümerschaft wenden. Diese kann eine Beprobung und nötige Sanierungsmassnahmen veranlassen.
Betroffene Installationen und Geräte sind bis zur Klärung des Befunds gemäss den Empfehlungen der zuständigen Fachpersonen oder Behörden zu betreiben, zu reinigen oder gegebenenfalls ausser Betrieb zu nehmen.
Redaktion: Wie verhindert man am besten einen Befall?
Bally: Wasserführende Anlagen müssen nach dem Stand der Technik betrieben, regelmässig gewartet und instand gehalten werden. Wichtig sind insbesondere geeignete Warm- und Kaltwassertemperaturen sowie die Vermeidung von Wasserstillstand.
Empfehlenswert ist zudem, Leitungen bzw. Wasserhähne und andere Armaturen nach längerer Benutzungspause gut durchzuspülen.

Redaktion: Wie infiziert man sich mit Legionellen und wie ist bei einer Infektion vorzugehen?
Bally: Die Ansteckung erfolgt durch das Einatmen legionellenhaltiger Wassertröpfchen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder durch das Trinken von Wasser findet nicht statt. Mögliche Symptome sind Fieber, Husten und Atembeschwerden.
Betroffene sollten eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren. Diagnostizierte Fälle müssen von den Laboratorien und der Ärzteschaft an den Kantonsärztlichen Dienst gemeldet werden.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.




