Kispi-Chefärztin: So operieren wir Brandopfer in Lebensgefahr

Der Schock nach Crans-Montana sitzt tief: Viele der Opfer kämpfen mit starken Verbrennungen ums Überleben – fünf befinden sich im Kinderspital in Zürich.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Kinderspital Zürich werden fünf Brandopfer der Crans-Montana-Tragödie behandelt.
- Vier der fünf dort behandelten jugendlichen Patienten befinden sich in Lebensgefahr.
- In Operationen wird die verletzte Haut durch Eigenhaut der Patienten ersetzt.
Die Tragödie erschütterte an Neujahr die Schweiz und die ganze Welt: Bei einem Brand während einer Silvester-Feier in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS kamen 40 Menschen ums Leben.
116 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Zunächst waren 119 Verletzte kommuniziert worden. Es stellte sich aber heraus, dass versehentlich drei verletzte Personen dazugezählt wurden, die nicht mit der Katastrophe im Zusammenhang standen.
Aufgrund der Vielzahl an Schwerverletzten wurden die Opfer in verschiedene Spitäler innerhalb der Schweiz sowie ins Ausland verlegt.
Vier junge Menschen im Kinderspital noch in Lebensgefahr
Fünf der jugendlichen Brandopfer aus Crans-Montana werden derzeit im Kinderspital Zürich behandelt, vier davon auf der Intensivstation.
Diese vier Personen befinden sich in Lebensgefahr, bestätigt Fabienne Wildbolz vom Kinderspital Zürich gegenüber Nau.ch.
Kathrin Neuhaus, Chefärztin des Brandverletztenzentrums im Kinderspital Zürich, gab am Sonntagabend in einer SRF-Sondersendung Einblicke.
Solch schwere Verbrennungen seien eine enorme Belastung für den Organismus: «Der Körper gerät in einen Schock-Zustand», erklärte sie.
Der Körper brauche extrem viel Flüssigkeit, damit die Organe weiterhin funktionieren können.
Und: «Die Patienten laufen Gefahr, an Infektionen zu erkranken.» Eine Infektion gelte als eines der grössten Risiken. «Vor allem bis es gelungen ist, die verletzte Haut durch Eigenhaut zu ersetzen.»
«Dort wächst die Haut wieder nach»
Neuhaus erklärte, wie das Spital jetzt vorgeht: «Wir müssen auf Areale zurückgreifen, die nicht verletzt sind.»
Dabei werde geprüft, ob beispielsweise vom Bein, vom Rücken oder sogar vom Kopf eigene Haut gewonnen werden könne. «Dort wächst die Haut wieder nach.»

So bestehe die Möglichkeit, nach ungefähr zwei Wochen an derselben Stelle erneut Haut zu entnehmen: «Diese können wir zur Deckung der Wunden verwenden.»
Die Crans-Montana-Patienten im Kinderspital in Zürich werden momentan immer wieder operiert, sagt Neuhaus.
«Wir nehmen eine Erstversorgung vor, reinigen die Wunden, überprüfen, welche Bereiche verletzt sind.» Ein Plan für das Vorgehen in den kommenden Wochen werde dabei bereits im Kopf erstellt.
In den nächsten Eingriffen gehe es dann im Grunde um dasselbe wie in den vergangenen Tagen: «Die Haut, die so schwer verbrannt ist, so schnell wie möglich zu entfernen.»
Momentan werde im Kinderspital Zürich von früh bis spät operiert: «Wir operieren viele Stunden am Tag», erklärte die Chefärztin. Die Dauer der Operationen sei jedoch nicht immer planbar.
«Es ist auch für uns belastend», so Neuhaus.
«Grossartige Solidarität»
Die Chefärztin berichtet von einer «grossartigen Solidarität» innerhalb des Teams: «Mein ganzes Team ist aus den Neujahrsferien zurückgekommen.»
Man habe niemanden bitten müssen, aus den Ferien zurückzukehren: «Die Leute haben sich alle selber gemeldet.»








