Im Furttal können Passagiere erstmals selbstfahrende Autos buchen

Trotz Unfall am Freitag sind im Furttal seit gestern erstmals in der Schweiz selbstfahrende Autos buchbar.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Montag können Personen im zürcherischen Furttal Robotaxis buchen.
- Zu reden gibt, dass es nur drei Tage vor der Schweizer Premiere zu einem Unfall kam.
- Ein Robotaxi hielt in Dänikon ZH eine Bodenplatte für überfahrbar und beschädigte Reifen.
Der Start hätte besser laufen können: Am Freitag ist im Zürcher Furttal ein selbstfahrendes Auto verunfallt – und das ausgerechnet drei Tage bevor die Autos für die Bevölkerung buchbar wurden.
Was war passiert? Gegen 13.45 Uhr war das Fahrzeug mit Sicherheitsfahrer auf der Alten Landstrasse in Dänikon ZH unterwegs. Mit rund 20 km/h umfuhr es ein neu installiertes Tempo-30-Schild. Das Fahrsystem stufte die zugehörige Bodenplatte fälschlicherweise als überfahrbar ein.
«Beim Überfahren der Kante wurden beide Reifen auf der rechten Fahrzeugseite und die Bodenplatte leicht beschädigt», teilten die Projektverantwortlichen, Swiss Transit Labs, die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau sowie die SBB am Samstagabend in einer gemeinsamen Mitteilung mit.
Astra: Sicherer Weiterbetrieb ist möglich
Verletzt wurde bei dem Vorfall am Freitagnachmittag niemand, es blieb bei einem geringen Sachschaden. Der Technologieanbieter passt das Fahrverhalten an dieser Stelle nun an, hiess es. Bis dahin steuern die Sicherheitsfahrerinnen und -fahrer die Autos dort manuell. Kantonspolizei und Behörden seien informiert.
Das Bundesamt für Strassen (Astra) bestätigte demnach, dass ein sicherer Weiterbetrieb möglich ist. Bis das betroffene Auto repariert und neu kalibriert ist, läuft der Pilotbetrieb wie geplant mit zwei Fahrzeugen weiter. Haftbar für Schäden sei die Projektorganisation Swiss Transit Lab.
Im Trainingsbetrieb hatte es übrigens zuvor keinen Unfall gegeben. Einziger Vorfall: Ein anderes Fahrzeug fuhr auf das Robotaxi auf.
Erstmals in der Schweiz buchbar
Der Zeitpunkt für den Unfall vom Freitag ist trotzdem denkbar ungünstig. Seit Montag können Passagiere im Furttal nämlich die selbstfahrenden Autos buchen.
Es ist das erste Mal überhaupt in der Schweiz. Drei Autos steuern im selbstfahrenden Modus knapp 100 vordefinierte Haltepunkte in Boppelsen, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen an, wie der Kanton mitteilte.
Gebucht wird über die App «iamo», die für «intelligente automatisierte Mobilität» steht. Die Autos holen bis zu drei Passagiere an den Haltepunkten ab und bringen sie innerhalb des Betriebsgebiets ans Ziel.
Die Grundpauschale beträgt 4.70 Franken, dazu kommen 38 Rappen pro Kilometer. Weil es ein Pilotversuch ist, gelten Generalabonnemente und andere ÖV-Abos nicht.

Die Fahrten sind vorerst täglich zwischen 13 und 17 Uhr möglich. Wer älter als 12 ist, darf alleine mitfahren.
Jüngere Kinder brauchen eine erwachsene Begleitperson. Ganz allein sind die Fahrgäste aber nie: Auf dem Fahrersitz sitzt immer eine Sicherheitsperson.
Das bleibe bei den aktuellen Autos auch künftig so, sagte Gesamtprojektleiterin Christine Mauelshagen zu Keystone-SDA. Ein fahrerloser Betrieb mit den Prototypen wäre mit zu hohem Aufwand verbunden. Der Beifahrersitz bleibt aus Sicherheitsgründen frei.
Testregion mit Zukunftsplänen
Das Furttal wurde wegen seiner vielfältigen Siedlungsstruktur, seiner Grösse und des bestehenden ÖV-Netzes mit einer zentralen S-Bahn-Linie ausgewählt. Das Projekt soll zeigen, wie sich der öffentliche Verkehr ergänzen lässt, wo klassische Angebote an ihre Grenzen stossen, etwa zu Randzeiten oder in dünn besiedelten Regionen.
Seit Sommer 2025 wurden die Fahrzeuge getestet. Nach der Bewilligung des Astra im November 2025 fuhren bis zu drei Autos mit Sicherheitsperson im regulären Verkehr, bislang aber ohne Passagiere.
Anfangs mussten die Sicherheitspersonen häufiger eingreifen, später immer seltener. Etwa damit sich das Auto flüssig im Verkehr bewegt oder die Spurführung stimmt. «Dies ist Teil des Lernprozesses», sagte Mauelshagen.

Das Projekt läuft seit Ende 2024 und ist auf bis zu fünf Jahre angelegt. Getragen wird es von Swiss Transit Lab, den Kantonen Zürich und Aargau sowie der SBB.
Die Gesamtkosten liegen bei knapp 11 Millionen Franken. Der Kanton Zürich steuert 3,8 Millionen als Anschubfinanzierung bei, die SBB 5 Millionen und der Kanton Aargau 1,9 Millionen.
Künftig soll die Flotte um autonome Kleinbusse wachsen. Diese sollen auch ganz ohne Sicherheitsperson fahren. Geschultes Personal in der Leitstelle von Eurobus überwacht sie dann aus der Ferne. Dafür braucht es noch eine Freigabe des Astra.








