Stadt Zürich

    «Dildo-Verkäufer, Bänker & Büezer wollten an Olympia»

    Sacha Beuth
    Sacha Beuth

    Zürich,

    Amorana-Gründer Alan Frei wollte als Teil des Curling-Teams der Philippinen an Olympia teilnehmen. Der Film «Long Shot» hält das ungewöhnliche Projekt fest.

    Sacha Beuth
    Freut sich auf die Premiere von «Long Shot – A Filipino Curling Tale» am Zurich Film Festival im Kino Corso: Alan Frei. - Sacha Beuth

    Das Wichtigste in Kürze

    • Amorana-Gründer Alan Frei setzte sich als Ziel, einmal an Olympia teilzunehmen.
    • Als Teil des Curling-Teams der Philippinen wollte er sich für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand qualifizieren.
    • Das ungewöhnliche Projekt wird im Film «Long Shot», der am ZFF Premiere feiert, festgehalten.

    Im Jahr 2022 war Alan Frei eigentlich mit sich im Reinen. Der in Baden geborene und längst in der Stadt Zürich wohnhafte Unternehmer hatte sich gerade vollständig vom Erotik-Onlineshop Amorana, den er 2014 zusammen mit seinem Kollegen Lukas Speiser gegründet hatte, zurückgezogen.

    «Ich hatte zum ersten Mal Geld und Zeit in meinem Leben», erzählt der 44-Jährige. Ein Routinecheck bei seinem Arzt sorgte kurz darauf aber für Ernüchterung. «Er beschied mir, dass ich gesundheitlich auf einem schlechten Weg sei. Ich müsse unbedingt mehr Sport treiben.»

    Wo mancher in einem solchen Fall einfach ein Fitnessstudio aufsuchen oder joggen gehen würde, hat Frei andere Pläne. «Ich stecke mir immer grössere Ziele. So entstand der Traum von Olympia. Ich fragte mich: Gibt es für mich irgendeine Möglichkeit, an den Spielen teilzunehmen?»

    Curling-Team
    Das philippinische Curling-Team mit Lead Alan Frei (l.) schlitterte knapp am grossen Olympia-Traum vorbei. - STILL Pictures

    Frei beauftragt einen Anwalt mit der Klärung des Anliegens. Schnell ist klar, dass Frei weder in einer Sommer- noch in einer Winterdisziplin echte Chancen hat, die Schweiz je an den Spielen vertreten zu können.

    Doch aufgrund seiner Doppelbürgerschaft – Frei besitzt neben dem Schweizer Pass wegen seiner philippinischen Mutter auch jenen des südostasiatischen Landes – gibt es einen Lichtblick. Der Anwalt schlägt vor, es als Langläufer für die Philippinen zu versuchen.

    Frei engagiert daraufhin flugs einen Langlauftrainer und macht seine ersten Versuche auf der Loipe. «Doch der Coach machte mir bald klar, dass mir hierfür das Talent fehlt.»

    Ein überraschender Anruf

    Glücklicherweise hatte Frei zuvor überall in seinem Bekanntenkreis von seiner Olympia-Idee erzählt. Dem ist es zu verdanken, dass er nach seinem gescheiterten Anlauf im Langlauf im März 2023 überraschend einen Anruf von Christian Haller erhält.

    Der ist ebenfalls Halb-Filipino und neben seinem Beruf als Bankangestellter als Curler aktiv. Gemeinsam mit den Brüdern Enrico und Marc Pfister spielt er schon länger mit dem Gedanken, für die Philippinen ein Curling-Team auf die Beine zu stellen.

    Würdest du gerne einmal bei Olympia dabei sein?

    Die drei kennen sich bereits, doch ihnen fehlt ein vierter Spieler. Mit Frei wird das Team komplett. Er ist Curling-Anfänger, seine Mitspieler bringen dagegen langjährige Erfahrung mit: Die Pfister-Brüder haben die Schweiz bereits an Weltmeisterschaften vertreten.

    «Und so machten sich ein Dildo-Verkäufer, ein Bänker und zwei Büezer auf, sich für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand zu qualifizieren», grinst Frei. Jeden Tag steht er nun mit seinen Kameraden auf dem Eis und trainiert. Zugleich obliegt ihm die Aufgabe, sich um alles Administrative zu kümmern.

    «An die Olympischen Spiele kann man nur, wenn man einem nationalen Verband angehört. Doch einen Curling-Verband gab es auf den Philippinen noch gar nicht. Den mussten wir erst gründen und dann über einen Anwalt vor Ort anerkennen lassen. Zudem musste ich über die Botschaft für Enrico und Marc noch philippinische Pässe besorgen.»

    Und natürlich will Frei für das Projekt grösstmögliche Aufmerksamkeit generieren. «Meine Vision war es, dass man einen Film über uns macht. So à la Cool Runnings, dem Film über das jamaikanische Bobteam.»

    Doch SRF winkt für eine Doku ab und Netflix findet die Story zwar interessant, will sich aber erst beteiligen, wenn man die Olympia-Qualifikation geschafft hat. «Also hab ich gesagt: Dann finanzieren wir das eben selber. Und wenn ihn niemand will, dann wird es eben ein teurer Ferienfilm», erzählt Frei.

    Sportlich verläuft das Abenteuer erst holprig. Beim Final der Pan Continental Curling Championships der B-Division 2023 unterliegt das Team um Skip Marc Pfister China und verpasst den Aufstieg in die A-Division, der aber ein Jahr später gelingt.

    Als nächste Hürde stehen 2025 die Prequalifier im schottischen Aberdeen an, wo die Philippinen überraschend das Turnier gewinnen. Mehr zu Übungszwecken nimmt man danach an den Asian Winter Games im chinesischen Harbin teil – und schafft einen historischen Coup. «Wir holten erstmals in diesem kontinentalen Wettbewerb eine Goldmedaille für die Philippinen.»

    Die grosse Leere

    Im Dezember 2025 folgt schliesslich das finale Qualifikationsturnier im kanadischen Kelowna. Doch da ist die Konkurrenz zu stark. Die Philippinen scheitern in der Vorrunde, weil den Gegnern aus Südkorea ein schwieriger 5-Punkte-Wurf gelingt.

    Das Wunder auf dem Eis bleibt aus. «Wir waren so nah dran, haben so viel für den Sport geopfert, hatten einen wunderbaren Zusammenhalt im Team – und dann ist mit einem Stein alles aus und du fühlst nur noch eine grosse Leere.» Dennoch gibt es ein kleines Happy-End.

    «Regisseur und Kameramann Daniel Schifferli von Summit Vision Media hatte uns die ganze Zeit begleitet und aus unserem Projekt eine Rohfassung hergestellt. Als ich kurz darauf ZFF-CEO Christian Jungen kennenlernte und ihm davon erzählte, meinte er, ich soll den Beitrag doch fürs Festival einreichen, zumal es zum diesjährigen Motto ‹Dream Big› bestens passen würde.»

    zff
    Der ZFF-Direktor Christian Jungen. - keystone

    Und tatsächlich findet die Doku «Long Shot – A Filipino Curling Tale» Anklang bei der Jury. «Und so kann nun bei der Premiere am 30. September im Corso 1 und danach auch ein breites Kinopublikum an unserem Abenteuer und unseren Hochs und Tiefs teilhaben», freut sich Frei.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #9413 (nicht angemeldet)

    Warum wird das so abwertend kommuniziert, das ist doch sowas von egal wie sie ihr Geld verdienen!

    User #2649 (nicht angemeldet)

    Das gibt vibrierende Wettkämpfe 🤭

    Mehr aus Stadt Zürich

    Zürich HB ausfall
    1 Interaktionen
    Bahn-Störung
    ZFF 2026: Riesen-Promiauflauf im Kongresshaus
    Die Bilder!
    FC Zürich Xamax
    Testspiel-Erfolg
    1 Interaktionen
    Aber...

    Mehr aus Zürich

    Patrick Hässig
    154 Interaktionen
    Patrick Hässig