Diese Frauen entdecken Wildkräuter vor der Haustüre

Corinne Päper
Corinne Päper

Winterthur Stadt,

Wer mit Bettina Nacar und Virginie Mégel unterwegs ist, lernt Pflanzen kennen und die Stadt mit anderen Augen zu sehen.

Wildkräuter vor der Haustür entdecken
Virginie Mégel (links) und Bettina Nacar bringen die Natur auf ihren Spaziergängen näher. - Corinne Päper

Dunkle Wolken brauen sich über dem Vögelipark zusammen, doch noch regnet es nicht. Bettina Nacar und Virginie Mégel bleiben zwischen Teich und Voliere stehen.

Nacar zeigt auf eine unscheinbare blühende Pflanze – den Giersch (Aegopodium podagraria). «Viele laufen täglich daran vorbei, ohne ihn wahrzunehmen», sagt sie.

Dabei ist die Pflanze mehr als das gefürchtete «Unkraut» der Gärtner. Sie entsäuert den Körper und hilft, Harnsäure auszuscheiden.

«Deshalb wird Giersch in der Volksheilkunde auch bei Gicht und Rheuma verwendet», sagt Nacar. Nicht nur das: Das stark nach Peterli riechende Kraut kann wie Spinat zubereitet, in den Kräuterquark gegeben oder zu Pesto verarbeitet werden.

Wildkräuter vor der Haustür entdecken
Im Flora Futura Garten der Axa wachsen zahlreiche Wildkräuter. - Corinne Päper

Es liefert Vitamin A und C sowie Eisen, Kalium, Kupfer, Zink und Mangan – ein Vielfaches dessen, was in einem gezüchteten Kopfsalat steckt.

Ein Spaziergang

Es sind solche Aha-Momente, die Nacar und Mégel auf ihren Wildkräuterspaziergängen vermitteln wollen. Seit 2024 führen die beiden Naturinteressierte durch Winterthur und zeigen, was direkt vor der Haustür wächst.

Die heutige Route beginnt im Vögelipark, führt durch den Flora-Futura-Park bei der Axa, über die Falken-, Bahn- und Oststrasse und über die Haifischpassage zurück zum Ausgangspunkt.

Unscheinbar überraschend

Entlang der Strecke begegnen den Teilnehmenden zahlreiche naturnahe Grünflächen mit der für die Biodiversität wichtigen Wildpflanzen. Neben Spitzwegerich etwa Beinwell (Symphythum officinale), roter Fingerhut (Digitalis purpurea), Labkraut (Galium verum) oder Königskerze (Verbascum densiflorum).

Interessierst du dich für Pflanzen?

Immer wieder kommen Pflanzen zur Sprache, die viele aus dem eigenen Garten kennen – beispielsweise das echte Salomonssiegel (Polygonatum odoratum). Oft sind es unscheinbare Gewächse, die überraschen.

So riechen die Wurzeln der Nelkenwurz (Geum urbanum) nach Nelken, während die geschlossenen Blütenstände des Spitzwegerichs (Plantago lanceolota) mit ihrem Duft an Champignons erinnern.

Bärlauch im Vögelipark

Doch warum ausgerechnet hier entlang? «Wir wollen zeigen, dass man auch in einer urbanen Umgebung auf kleinem Raum erstaunlich viele Wildpflanzen entdecken kann», erzählt Mégel.

Wildkräuter vor der Haustür entdecken
Giersch wächst im Vögelipark. - Corinne Päper

Auf die Idee brachte sie ein Besuch im Vögelipark mit ihrem Sohn, wo sie im Frühjahr Bärlauch und Scharbockskraut fand. Sie kam mit Nacar zurück und stellte fest, wie vielfältig die Vegetation dort und am angrenzenden Flora Futura-Garten der AXA ist.

Weniger ist mehr

Für Anfänger haben Bettina Nacar und Virginie Mégel einen einfachen Rat: klein anfangen. Wer einige wenige Arten wie Spitzwegerich, Brennnessel, Gänseblümchen oder Giersch sicher erkennt, könne diese problemlos in alltägliche Gerichte integrieren – etwa in Suppen, Salate oder Brotbeläge.

Gesammelt werden sollte nur, was man zweifelsfrei erkenne, an sauberen Orten und zur richtigen Jahreszeit. «Es hilft auch, sich zu fragen, wie viel man tatsächlich braucht», sagt Mégel.

«Man muss nicht alles mitnehmen, nur weil es an einem Ort wächst und so ganze Pflanzenbestände zerstören.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Winterthurer Zeitung» erschienen.

Kommentare

User #6320 (nicht angemeldet)

Winterthurerinnen sind die glücklichsten Frauen der Schweiz. Darf ich mitkommen?

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