Stadt Zürich

Der Koala ist der Meister des Chillens im Zoo Zürich

Keystone-SDA Regional
Keystone-SDA Regional

Zürich,

Viele Tiere im Zoo Zürich sparen Energie bei grosser Hitze. Der Meister des Chillens ist der Koala. Stundenlang hängt er in Astgabeln des Eukalyptusbaums. Länger andauernde Hitze ist aber selbst für ihn ein Problem.

In der Astgabel hängen und Eukalyptus essen: Koalamännchen Tarni nimmt es am Montag im Zoo Zürich gemütlich.
In der Astgabel hängen und Eukalyptus essen: Koalamännchen Tarni nimmt es am Montag im Zoo Zürich gemütlich. - Keystone/WALTER BIERI

Wären sie nicht so herzig, würden Koalas von den Besucherinnen und Besuchern des Zoos Zürich kaum so geschätzt: Ihnen beim Schlafen und Ruhen zuzusehen, was sie etwa 20 Stunden pro Tag tun, ist doch eher langweilig.

Bei einem Medientermin am Montag verhält sich Männchen Tarni aber atypisch. Kurz vor Mittag klettert er auf den Ästen herum, bewegt sich zwischen den Bäumen und lässt sich schliesslich nieder, um Eukalyptus zu essen. Eigentlich verlegen Koalas ihre aktiven Zeiten in die kühlen Abend- und Morgenstunden.

Die momentane Hitzewelle in der Schweiz ähnelt den natürlichen Bedingungen für Koalas. In den Eukalyptuswäldern Süd- und Ostaustraliens herrschen häufig Temperaturen um die 30 Grad im Sommer.

Wie Zoo-Direktor Severin Dressen erzählt, haben Koalas besondere Strategien entwickelt, um mit hohen Temperaturen zurecht zu kommen. «Sie suchen jeweils die kühlsten Orte in den Eukalyptuswäldern auf. Und sie umarmen Bäume, die warmen Körper drücken sie dabei an die kältere Baumfläche», sagt Dressen.

Besonders auch: Die Koalas können ihre Körpertemperatur stark regulieren, durch sogenannte adaptive Heterothermie Normal sind 36 Grad, die Bandbreite reicht aber von 32 bis 40 Grad. Je wärmer die Aussentemperatur ist, desto höher kann der Koala seine eigene Körpertemperatur einstellen.

Bleibt es lange heiss, bekommt aber auch der abgehärtete Koala Mühe. Immer wieder auftretende Hitzewellen von über 35 Grad und Dürreperioden bringen sie an ihre Grenzen. Ihre Wärmestrategien versagen dann. Koalas gelten daher als besonders anfällig für den Klimawandel.

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass es noch etwa 400‘000 bis 570‘000 Tiere in der Wildnis gibt, wie der Zoo Zürich schreibt. In den vergangenen Jahren gab es, unter anderem aufgrund von starken Bränden, regional Einbrüche der Population von teilweise 50 Prozent. Laut WWF wurden bei grossen Buschbränden 2019 und 2020 etwa 60'000 Koalas getötet, verletzt oder aus ihrem Lebensraum vertrieben.

Gehst du gerne in den Zoo?

In Australien unterstützt der Zoo Zürich die Naturschutzorganisation Koala Conservation Australia. Diese betreibt ein Koala-Hospital, setzt sich für den Erhalt des Lebensraums ein, unterhält verschiedene Forschungskooperationen und hat ein Zuchtprogramm zur Wiederansiedlung etabliert.

Im Zoo Zürich bevorzugt Tarni derzeit das Gehege im Innern, es ist abgekühlt. «Das ist für die Koalas ein Fünf-Sterne-Hotel. Nur weil sie heisse Gebiete gewöhnt sind, heisst das nicht, dass ihnen das lieber ist», erklärt Dressen. So suchen auch Nashörner und Giraffen bei hohen Temperaturen den Schatten, obwohl sie es aus der Savanne noch heisser kennen, wie der Direktor sagt.

Koala Tarni chillt derweil weiter gemütlich auf seiner Astgabel und führt sich Eukalyptus zu. Er ist ein Feinschmecker – es gibt hunderte Arten Eukalyptus, doch Koalas essen nur einen kleinen Teil davon und jeweils bloss die Spitzen der Blätter.

Der Zoo Zürich bezieht den Eukalyptus aus der Schweiz und Italien. Dabei müssen es immer wieder neue Arten sein, «die Koalas ändern ihren Geschmack», sagt Dressen. Andere Abwechslung bei der Ernährung brauchen Kolas nicht, für die Flüssigkeit reichen Tau und die Blätter. Diese bestehen zu einem grossen Teil aus Wasser.

Im Zoo Zürich leben derzeit auch noch das Koalaweibchen Téa und die gemeinsame Tochter von Tarni und Téa, Joey. Die beiden sind in einem separaten Gehege untergebracht. Die damals sechsjährige Maisy starb 2023 nach einer langwierigen Krankheit.

Zwischen 2019 und 2021 starben drei weitere Koalas im Zoo Zürich. Anders als Maisy waren Pippa, Mikey und Milo an den Folgen des Koala-Retrovirus gestorben. Das auch in der Natur allgegenwärtige Virus schwächt das Immunsystem. Im Zoo Zürich leben seit 2019 Koalas.

Mehr aus Stadt Zürich

Zoo Zürich
2 Interaktionen
Fauler Hitze-Profi
Ngom GC
1 Interaktionen
Angebot zu gut
Kevin Spadanuda FC Zürich
6 Interaktionen
War zuletzt in Luzern
-
99 Interaktionen
In Zürich

Mehr aus Zürich

Winterthur
8 Interaktionen
Situation geklärt