Busfahrer streiken – «ohne uns steht Winterthur still»

Nicola Wittwer
Nicola Wittwer, Nicolas Eggen

Winterthur Stadt,

Das Personal von Stadtbus Winterthur hat genug. Am Dienstag ist ein Warnstreik geplant. Was sagen die Beteiligten?

Stadtbus Winterthur
Am Dienstagmorgen wartet man in Winterthur von 4.30 Uhr bis 8.30 Uhr aller Voraussicht nach vergebens auf einen Bus. - Stadtbus Winterthur

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Dienstagmorgen streiken die Winterthurer Busfahrer.
  • Das Personal von Stadtbus Winterthur beklagt Missstände, die offenbar ignoriert werden.
  • Laut der Gewerkschaft VPOD sind «echte Verhandlungen» jederzeit möglich.

Das Buspersonal von Winterthur legt am Dienstagmorgen die Arbeit nieder. Von 4.30 bis 8.30 Uhr fahren die Busse im Rahmen eines Warnstreiks nicht.

Der Grund für den Warnstreik von Stadtbus Winterthur (SBW) seien «die unzumutbaren Arbeitsbedingungen», schreibt der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) in einer Medienmitteilung.

Einstimmig den Streik beschlossen

In Winterthur gebe es im Nahverkehr «Dienstschichten von über 12 Stunden, verkürzte Ruhezeiten von minimal neun Stunden, Stress im Strassenverkehr und unregelmässige Arbeitszeiten».

Dabei seien die Busfahrerinnen und -fahrer «in ohnehin schwierigen Bedingungen unterwegs».

Stadtbus Winterthur
«Ohne uns steht Winterthur wortwörtlich still», schreibt die Gewerkschaft VPOD. - Stadtbus Winterthur

Ein Mitarbeiter beklagt die Arbeit am Limit, kurzfristige Einsätze, maximale Flexibilität ohne Entschädigung und rechtwidrige Schadensbeteiligung.

«Unter diesen Bedingungen können wir unsere Arbeit nicht mehr so ausführen, wie es unserem Anspruch und der Verantwortung gegenüber den Fahrgästen entspricht.»

Am Sonntag wurde bei der Personalversammlung von Stadtbus Winterthur deshalb einstimmig die kollektive Arbeitsniederlegung beschlossen.

Fährst du auf dem Weg zur Arbeit mit dem Bus?

In der Mitteilung heisst es weiter, das Personal weise «seit mehreren Jahren» auf die Probleme hin. Doch die Geschäftsleitung und der zuständige Stadtrat würden sich querstellen, so Micha Amstad, VPOD-Zentralsekretär für den Nahverkehr.

«Ohne uns steht Winterthur wortwörtlich still»

Nau.ch hat bei der Gewerkschaft VPOD nachgefragt. Wird Winterthur am Dienstagmorgen also tatsächlich lahmgelegt?

«Ohne Buspersonal fehlt ein wichtiger Bestandteil im Nahverkehr. Ohne uns steht Winterthur wortwörtlich still», lautet die Antwort.

«Wir gehören zum Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft. Und Rückgrat muss gestärkt und nicht ausgenutzt werden.»

Stadtbus Winterthur
Gemäss der Gewerkschaft VPOD reagieren die Geschäftsleitung und der Stadtrat nicht auf die Missstände. - Stadtbus Winterthur

Die Fahrgäste werden am heutigen Montag und auch am Dienstag über den Warnstreik informiert. Ob den Streikenden Ärger seitens der Pendlerinnen und Pendlern droht?

Man nehme den Streik «nicht leichtfertig in Kauf», heisst es auf Nachfrage. «Aber noch schwerer wiegen die groben Missstände bei den SBW. Seit 2024 weisen wir auf die schwerwiegenden Mängel hin.»

Man bedanke sich «deswegen umso mehr für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen», die es von Fahrgästen bereits gegeben habe.

Dass der Streik am Dienstag der letzte sein wird, ist nicht garantiert. «Wir stehen jederzeit für echte Verhandlungen zur Verfügung. Aber wenn es nötig ist, werden wir auch weitere Warnstreiks machen», sagt die Gewerkschaft VPOD.

Das sagt Stadtbus Winterthur zum Warnstreik

Was sagt Stadtbus Winterthur zu den genannten Missständen? «Stadtbus Winterthur hat eine neue Betriebssoftware beschafft, die Ende 2026 eingeführt wird. Das ermöglicht eine flexiblere Dienstplanung und viele der Forderungen in diesem Zusammenhang werden obsolet.»

Das sagt Matthias Gerth, Mediensprecher bei Stadtbus Winterthur, auf Anfrage von Nau.ch. Und weiter: «Hier gibt es in der Tat Verbesserungsmöglichkeiten.»

Stadtbus Winterthur
Das Buspersonal arbeitet in Winterthur eigenen Angaben zufolge am Limit. - Stadtbus Winterthur

Die Gewerkschaft war und sei eingeladen, an der Ausgestaltung dieser neuen Software mitzuwirken.

Zudem hat der Stadtrat die Forderungen bezüglich der Nachtzulagen behandelt, erinnert Gerth: «Der Stadtrat entschied 2018 wie auch 2025, dass die Forderung nach Nachtzulagen ab 20 Uhr anstatt erst ab 22 Uhr nicht gerechtfertigt ist.»

Die Mitarbeitenden von Stadtbus bekämen bereits eine Zeitgutschrift aufgrund des nationalen Arbeitszeitgesetzes. Eine zusätzliche finanzielle Entschädigung wäre nicht angemessen. Dies würde die Mitarbeitenden von Stadtbus gegenüber dem übrigen städtischen Personal besserstellen, erklärt Gerth weiter.

Stadtbus Winterthur: «Türen für weitere Gespräche sind weiterhin offen»

«Zudem bekommen Mitarbeitende von Stadtbus eine jährliche Bonusleistung und Vergünstigungen im öffentlichen Verkehr. Auch dies steht anderen städtischen Angestellten nicht zu», sagt Gerth.

Bei der Thematik der sogenannten Ersatzdienste läge ebenfalls eine Lösung bereit, die Stadtbus Winterthur am seit längerem geplanten Austausch mit der Gewerkschaft vom 2. April präsentieren wolle.

Bist du vom morgigen Warnstreik betroffen?

Dass sich die Geschäftsleitung von Stadtbus Winterthur und der Stadtrat quergestellt hätten, weist Gerth «entschieden zurück»: Für einige Entscheide brauche es Entscheide des Stadtrates oder des Stadtparlaments. «Zudem hat Stadtrat Fritschi noch am vergangenen Freitag neue Gesprächstermine angeboten.»

Auf die Forderungen der Gewerkschaft angesprochen sagt Gerth: «Die Türen für weitere Gespräche sind weiterhin offen. Es ist jedoch nicht möglich, Entscheidungswege zu umgehen, weil eine Gewerkschaft dies so wünscht.»

Bezüglich Warnstreik sagt Gerth: «Stadtbus versucht, die Auswirkungen für die Fahrgäste möglichst zu minimieren. Wir empfehlen allen Fahrgästen, vor Reiseantritt den Online-Fahrplan zu prüfen.»

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