Bülachs Kläranlage hat einen Wellness-Bereich – dank Steuergeldern?

Über 20 Jahre hinweg profitierten Mitarbeiter der Kläranlage Furt in Bülach von einem Wellnessbereich – finanziert durch Steuern. Damit ist seit 2021 Schluss.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Kläranlage Furt in Bülach war bis 2021 ein kleiner Wellness-Bereich in Betrieb.
- Erst 2021 wurde die durch Steuergelder finanzierte Anlage geschlossen.
- Die Geschäftsprüfungskommission deckte in einem Bericht brisante Details auf.
Eine Sauna, eine grosse Badewanne und eine geräumige Dusche – all dies hatten Mitarbeitende der Kläranlage in Bülach am Arbeitsplatz. Doch wer bezahlte den Unterhalt? Und wer hat den Wellness-Bereich gebaut?
Obwohl die geheime Wellnessanlage seit 2021 nicht mehr in Betrieb ist, wusste bisher kaum jemand davon. Erst am vergangenen Donnerstag, zwei Wochen vor den Wahlen in Bülach, änderte sich dies.
Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Parlaments veröffentliche am vergangenen Donnerstag einen Bericht, wie der «Tagesanzeiger» schreibt.
Darin deckte die GPK brisante Details auf: Mitarbeitende der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Furt in Bülach nutzten den Wellness-Bereich wohl auf Kosten der Steuerzahler.
Zusätzlich zum Wellness-Bereich gab es gemäss dem Bericht im Untergeschoss des Aufenthaltsbereich für Mitarbeitende mehrere Fitnessgeräte.
Neuer Abteilungsleiter stoppte den Betrieb
Ein neu angestellter Abteilungsleiter entdeckte die Anlage 2021 zufällig. Er wurde auf die Sauna aufmerksam, als jemand fragte, ob ein Heizkörper repariert werden könne. Daraufhin liess er die Wellnessanlage schliessen.
Wer die Anlage nutzte, konnte nicht mehr ermittelt werden. Auch bleibt unklar, ob sie nur nach Feierabend verwendet wurde. Die GPK kritisiert scharf: Es zeuge von einem «absolut verzerrten Bild über Rechtmässigkeit».
Wer hat die Anlage gebaut?
Auch die Entstehungsgeschichte der Anlage ist fraglich. Spätestens im Jahr 2000 sei der Wellness-Bereich gebaut worden. Unterlagen dazu seien kaum mehr vorhanden. Mündlichen Angaben zufolge durch eigenes Personal ausserhalb der Arbeitszeiten.
Das Material soll privat beschafft worden sein. Nur die Sauna wurde möglicherweise von externen Firmen gesponsert. Der potenzielle finanzielle Schaden ist nicht eruierbar. Klar ist aber: Die Steuerzahlenden mussten für Strom und Betrieb aufkommen.
Die GPK vermutet, dass auch Reparaturen durch die Stadt finanziert wurden. Ein Beweis dafür findet sich in den Unterlagen aber nicht.
Stadträtin wusste seit 2021 davon
Die Stadt Bülach steht nun kurz vor den Wahlen unter Druck. Die GPK kritisiert das Schweigen der Stadt scharf und fordert Massnahmen.
Stadträtin Andrea Spycher (SVP) wusste spätestens 2021 davon. Sie räumt Kommunikationsfehler ein und gibt zu, dass die Öffentlichkeit und die angeschlossenen Gemeinden nicht ausreichend informiert wurden.
Stadtpräsident Mark Eberli (EVP), der im Wahlkampf gegen Spycher antritt, erfuhr erst 2025 während der laufenden Untersuchungen von der Anlage. Er bezeichnet den Fall als «unrühmliche Geschichte».













