Stadt Zürich

Auf Zürcher Friedhof entsteht Denkmal für queere Gemeinschaft

Jan Strobel
Jan Strobel

Zürich,

Erinnerungsort: Mit dem «Queer Memorial» entsteht auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld ein Denkmal für die queere Gemeinschaft.

friedhof
In der Bildhauer- und Kunstwerkstatt der beiden Gestalterinnen Judith Schröter und Regine Brandt in Oetwil am See wird an der Stele für das «Queer Memorial» gearbeitet. - Tagblatt Zürich / Sandra Meier, Gestaltungskiosk

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld entsteht ein Denkmal für die queere Community.
  • Die Stele soll an Unrecht und den Einsatz für Gleichberechtigung erinnern.
  • Am 20. August wird das Memorial feierlich eingeweiht.

«Wir müssen nicht unter einer Amnesie leiden, die uns die Lehren der Vergangenheit raubt», schrieb die queere US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde. Damit Erinnerung nicht verschüttet wird, braucht es immer wieder Zeichen und Orte, die sie uns vergegenwärtigen – und einen Blick in die Zukunft ermöglichen.

Setzt du dich für die queere Gemeinschaft ein?

Ein solcher Ort entsteht in der Bildhauer- und Kunstwerkstatt der beiden Gestalterinnen Judith Schröter und Regine Brandt in Oetwil am See. Hier nimmt eine fast zwei Meter hohe Stele aus Bollinger Sandstein immer konkretere Formen an, spielerisch durchsetzt mit farbigen Einlagen aus Mörtel.

Diese farbenfrohe Stele ist ein ganz besonderes Denkmal. Sie ist das «Queer Memorial», das für die queere Community einen Ort des Gedenkens, der Reflexion und des Dankes bieten soll. Am 20. August wird das Memorial im Friedhof Sihlfeld feierlich eingeweiht.

In die Zukunft weisen

«Dieser Erinnerungsort soll Sichtbarkeit schaffen», sagt Barbara Bosshard vom Verein Queer Memorial, der bereits seit Anfang 2024 an der Umsetzung des Denkmals arbeitet.

Der Verein, eine Arbeitsgruppe der Organisation HAZ-Queer Zürich, bildete sich aus der Gruppe «Regenbogen-Ruhe» heraus, die zusammen mit dem Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich 2023 das Regenbogengrabfeld im Friedhof Sihlfeld realisierte. In unmittelbarer Nähe zum Regenbogengrabfeld wird auch das Queer Memorial zu stehen kommen.

«Am Queer Memorial soll an die Menschen gedacht werden, die sichtbar queer gelebt haben, die direkt oder indirekt Opfer gesellschaftlicher Strukturen, Gewalt und Diskriminierungen wurden und daran zerbrachen oder ihr Leben verloren.»

Unzählige dieser Opfer sind bis heute namenlos geblieben. Gleichzeitig soll das Queer Memorial auch für die Gegenwart und Zukunft stehen.

«Das Denkmal ist ebenso ein Symbol für die Einheit der queeren Gemeinschaft, dieser unglaublich starke und schlagkräftige Zusammenschluss von Persönlichkeiten, die sich täglich unbeirrt für ihre Rechte eingesetzt haben und weiter einsetzen. Der einzelne Mensch steht hier im Zentrum», macht Barbara Bosshard deutlich.

Friedhof
Am 20. August wird das Memorial im Friedhof Sihlfeld feierlich eingeweiht. - keystone

Diese Vielfalt und Individualität in der Einheit nehmen die runden Farbeinlagen aus Mörtel an der Stele wieder auf. Sie orientieren sich an der «Progress Flag».

Diese Weiterentwicklung der traditionellen Regenbogenflagge der queeren Community ergänzt die klassischen Regenbogenfarben um zusätzliche Streifen, die auf die Sichtbarkeit und Einbeziehung weiterer Gruppen aufmerksam machen, unter anderem trans Menschen, People of Color oder Menschen, die mit HIV/Aids leben.

Zur verbindenden Botschaft passt die Umsetzung des Erinnerungsorts. In der letzten Mai-Woche kamen in der Werkstatt von Judith Schröter und Regine Brandt Menschen aus der queeren Community zusammen und arbeiteten gemeinsam an der Ausgestaltung der Stele, brachten Ideen ein und Umsetzungsvorschläge.

Sie bohrten, meisselten, schliffen und hämmerten am Stein, setzten die farbenfrohen Kreiselemente, mischten den Mörtel und spachtelten die Farbe in die Einlagen. «Dieser gemeinsame Schaffensprozess widerspiegelt den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft», sagt Barbara Bosshard.

Miete für 20 Jahre

Die Miete für das Queer Memorial im Friedhof Sihlfeld läuft vorerst für 20 Jahre. «Für die Umsetzung, Grabmiete und Realisation sind wir aber nach wie vor auf Unterstützung angewiesen», sagt Barbara Bosshard.

Ein Textentwurf, der begleitend zum Denkmal angebracht werden soll, steht jedenfalls bereits in Grundzügen: «Für alle, die nicht frei lieben, leben und sie selbst sein durften. Für alle, die ausgegrenzt, verfolgt oder zum Schweigen gebracht wurden. Für alle, die für Würde, Vielfalt und gleiche Rechte eingestanden sind — damals wie heute. Für alle, die queere Anerkennung und Gleichberechtigung stärken.»

Dieser Artikel ist zuerst im «Zürcher Tagblatt» erschienen.

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