«Ältere sollen so lange wie möglich zuhause bleiben können»

Seit diesem März ist Fabienne Müller Altersbeauftragte für Hettlingen und weitere Gemeinden. Im Gespräch äussert sie sich zu ihrem Projekt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Altersbeauftragte Fabienne Müller berät Ältere, Angehörige und Fachstellen.
- Mit ihrem Projekt funktioniert sie als Drehscheibe für Gemeinden und vermittelt Angebote.
- Auch Hausbesuche werden von ihrem Team gemacht, was sehr geschätzt wird.
«Das Ziel ist es, dass die ältere Bevölkerung so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben kann», sagt die Altersbeauftragte und ausgebildete Ergotherapeutin Fabienne Müller bei einem Gespräch auf der Gemeindeverwaltung Hettlingen.
«Die Idee ist es, dass möglichst früh mit uns Kontakt aufgenommen wird, so können wir unterstützen.» Sollte doch ein Heimeintritt anstehen, würde ebenfalls unterstützt. Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht.
«Kosten zu sparen ist nicht das primäre Ziel, aber ein Heimeintritt ist eine grosse finanzielle Belastung», sagt Svenya Honegger, Gemeinderätin und Sozialvorsteherin von Hettlingen. Sie hat das Projekt mitbegleitet. Müller ergänzt: «Es ist erwiesen, dass dank guter Prävention langfristig Pflegekosten minimiert werden können.»

Das Angebot richtet sich an Betroffene, Angehörige, aber auch Fachstellen. Manchmal kommt laut Honegger auch ein Anruf von besorgten Nachbarn: «Das ist ein heikles Thema, das viel Fingerspitzengefühl verlangt.»
Die Gemeinde Seuzach übernimmt für die Gemeinden Brütten, Dättlikon, Hettlingen, Rickenbach und Thalheim an der Thur die Aufgabe der Altersarbeit.
Hilfe beim Papierkrieg
«Wir funktionieren als Drehscheibe und vermitteln Angebote der jeweiligen Gemeinden, helfen auch beim Ausfüllen von Formularen wie für die Hilflosenentschädigung oder Ergänzungsleistung», beschreibt Müller ihre Aufgabe. «Es ist ein Papierkrieg.»
An erster Stelle stehen laut Müller das Zuhören und Abholen der Bedürfnisse. Dann bespreche sie mögliche Angebote. «Der Entscheid darüber liegt bei Betroffenen», betont sie. «Jeder Tag ist unterschiedlich», sagt Beraterin Müller.

«Ich fahre in die jeweilige Gemeinde und schaue jeweils, ob es dringende Anfragen gibt. Wir machen auch Hausbesuche, dies wird sehr geschätzt.»
Wenn jemand akut ins Altersheim muss, werden so rasch wie möglich Abklärungen getroffen. «Bei Wartezeiten überbrücken wir mit Angeboten wie der Spitex oder einem Mahlzeitendienst», sagt Müller.
«Die älteren Menschen haben spannende Lebensläufe», sagt sie. «Ich habe immer gerne mit Leuten gearbeitet.»
Altersstelle obligatorisch
Der Kanton Zürich hat 2011 das Pflegegesetz verabschiedet. Dieses verpflichtet die Gemeinden, eine Anlaufstelle für Ältere anzubieten, die kostenlos über Angebote in den jeweiligen Gemeinden informiert.
Der Start erfolgte laut Honegger aus dem Alterszentrum im Geeren (AZiG) heraus. Die Gemeinden sind vernetzt mit Spitälern, Spitex, Ärzten und auch Ämtern, die für Hilflosenentschädigung und Ergänzungsleistungen zuständig sind.

Die Gemeinden Brütten, Dättlikon und Hettlingen hatten sich zusammengeschlossen und ein Pilotprojekt einer Altersstelle in Brütten gestartet. Dann nahmen die Gemeinden Verbindung mit Seuzach auf, welche den Lead übernahm.
Gleichzeitig stiessen Rickenbach und Thalheim an der Thur dazu. «Es braucht viel Fachwissen, nur durch Bündelung ist dieses gewährleistet.»
Soziale Faktoren sind wichtig
Hettlingen hat laut Honegger eine Zehnprozent-Stelle bei Seuzach eingekauft und dieses Jahr 17'000 Franken dafür budgetiert. Nun mit den Anlaufstellen in den Gemeinden und einer Beauftragten steigt auch die Nachfrage. «Für uns ist es wichtig, dass die Menschen ein Gesicht kennen, damit steigt das Vertrauen.»
Honegger: «Für uns stand die Frage im Vordergrund: Wie kommen die Leute zu den Angeboten wie zum Beispiel Mahlzeitendienst, Fahr- oder Besuchsdienst?»
Müller ergänzt: «Man vergisst, dass auch soziale Faktoren wichtig sind. Bei Einsamkeit kann ein Besuchsdienst entlasten.»
Erfolgreich gestartet
«Wir sind erfolgreich gestartet», sagt Felix Goldinger, Geschäftsbereichsleiter Gesundheit und Soziales der Gemeinde Seuzach. Die Altersstrategie von 2024 der Gemeinde gab den Anstoss, diese Stellen zu schaffen.
«Seuzach gehört laut Goldinger zu den Top-3 bei der Bevölkerung über 65 Jahren im Kanton Zürich. Aktuell seien 110 Stellenprozente durch den Gemeinderat Seuzach für alle Gemeinden genehmigt. Anfangs hatte Goldinger Fragezeichen gehabt, ob das Modell funktionieren würde.

«Mit denjenigen Gemeinden, welche Pensen einkaufen, hat Seuzach einen unkomplizierten Modus gefunden, der auf Vertrauen basiert.» Die Zusammenarbeit ist mit einem Anschlussvertrag geregelt.
In Seuzach ist die Altersbeauftragte Fiona Thalmann angegliedert, welche Anlässe veranstaltet und Prozesse aufgleist, während sich Müller intensiv in den kleineren Gemeinden vernetzt. «Sie war beim Kaffeetreff, Seniorenausflug – einfach überall.»
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.







