«Queere Community: Appell von Zürichs Golta war symbolträchtig!»

Zürich Stadtpräsident Golta sagte an der Pride, dass die queere Community in Zürichs Herz gehöre. Kolumnistin Verena E. Brunschweiger lobt seinen Auftritt.

Das Wichtigste in Kürze
- Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt sie über die Prides in der Schweiz und Deutschland.
- Brunschweiger lobt dabei den Auftritt von Zürichs Stadtpräsident Raphael Golta.
Am 26. Juni fand im Rahmen der Fussball-WM die «Pride-Partie» Iran gegen Ägypten statt. Beide Teams protestierten und wollten genau das nicht, was dann trotzdem zu sehen war: Regenbogen-Fahnen im Stadion.
Der Protest verwundert nicht, schliesslich weiss man von der Verfolgung und teilweise gar Ermordung Homosexueller im Iran.
Aber auch in Russland wird zunehmend strafrechtlich vorgegangen im Kampf gegen den «Extremismus» von Leuten. Menschen, die einfach nur leben und lieben, wen sie wollen. So las man Ende Juni von der Verhängung einer langen Haftstrafe für queere Club-Betreiber.
Neue Meldeplattform in der Schweiz
In der Schweiz hingegen gründete sich wirschauenhin.ch. Das ist eine Meldeplattform für Sexismus und Queerfeindlichkeit. Das ist gut, richtig und wichtig, vor allem, wenn man sich die negativen Entwicklungen anschaut.
Dem «GLAAD Social Media Safety Index» entnahm man im Mai, dass soziale Medien so unsicher für queere Menschen wären wie nie zuvor. Und der «Maneo»-Bericht verzeichnete eine Zunahme von Attacken auf diese Gruppe.
Fakt ist: Die Akzeptanz queerer Menschen weltweit sinkt. Spannend dabei: Die höchste Zustimmung verzeichnen Spanien und Thailand.
«Protect Queer Youth» in Zürich
Das Motto der diesjährigen Pride in Zürich lautete «Protect Queer Youth». Der Handlungsbedarf sei gross, sagt eine Mitwirkende. Mehr als 70 Prozent aller queeren Jugendlichen berichteten, sich in ihrer Identität nicht akzeptiert zu fühlen. Jede:r Zehnte erlebe Gewalt.
Grund genug, diese Teenager in den Mittelpunkt zu stellen. Und wichtige Forderungen zu unterstützen. Safe Spaces etwa – oder Zugang zu diskriminierungsfreier Information und Gesundheitsversorgung.

Bei der bunten Zürcher Parade gab es natürlich auch Einhörner, viel Glitzer und einen Armeewagen der «Queer Officers Switzerland». Viele Firmen verteilten ausserdem Regenbogentaschen, um ihren Support der LGBT-Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.
Und es spricht für Zürich, dass der Verlauf der Route immer wieder entsprechend beflaggte Gebäude und Plätze streifen konnte.
Symbolträchtiger Appell von Zürcher Stadtpräsident Golta
Raphael Golta, der neue Zürcher Stadtpräsident, wies darauf hin, dass errungene Erfolge auch verteidigt werden müssten.
Sonst kann es passieren, dass die Kräfte des Backlashs erstrittene Rechte wieder einkassieren. Man denke an diverse Bundesstaaten der USA, wo Frauenrechte zurückgeschraubt wurden.

Golta sagte zum Abschied, dass die queere Community in Zürichs Herz gehöre. Das ist ein symbolträchtiger Appell, da vielerorts Stadtverwaltungen bereits dem Druck von Rechts nachgeben und Pride-Züge, die einst mitten durch die Stadt verliefen, nun auf ausserhalb gelegene Routen drängen.

«Gegen-Demos» zum CSD
So sind auch die neu aufgekommenen «Gegen-Demos» zum «Christopher Street Day» CSD keine wirkliche Überraschung, sondern vielmehr Ausdruck des globalen Rechtsrucks. Und der zunehmenden Verrohung der Leute, die letzteren begrüssen und vorantreiben.
Vor allem die kleineren CSDs seien unverhältnismässig stark von Störungen und Anfeindungen betroffen, berichten Organisatoren aus Ostdeutschland. Im vergangenen Jahr habe es bei zehn der elf Demos für die Rechte queerer Menschen im Freistaat Thüringen Zwischenfälle in Form von Beschimpfungen oder gar Übergriffen gegeben. Es kam sogar zu einem Brandanschlag.
30'000 Demonstrierende in München
Es gibt jedoch auch Lichtblicke: In München beispielsweise zogen 30'000 Demonstrierende durch die Innenstadt, was von ungefähr 200'000 Zuschauern verfolgt wurde.

Zur Autorin
Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.








