Stadt Zürich

SRF kontert Fischer: So war das mit «off the record» wirklich!

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt, Aline Klötzli

Zürich,

Patrick Fischer äussert sich erstmals ausführlich zur Covid-Affäre. Dabei erhebt er einen konkreten Vorwurf gegen SRF. Der Sender kontert.

Patrick Fischer
Patrick Fischer spricht erstmals ausführlich über die Covid-Affäre. Im Fokus steht auch SRF-Journalist Pascal Schmitz. - youtube @patrick fischer / SRF (screenshot)

Das Wichtigste in Kürze

  • Patrick Fischer spricht erstmals ausführlich über seine Freistellung.
  • Laut Fischer war das Gespräch mit SRF «off the record».
  • Ein Mail von SRF-Journalist Pascal Schmitz soll dies bestätigt haben.
  • Fischer spricht von einer gebrochenen Vereinbarung, SRF dementiert.

Patrick Fischer (50) bricht sein Schweigen.

Erstmals spricht der frühere Nati-Trainer auf seinem persönlichen Youtube-Kanal ausführlich über die Covid-Affäre, die ihn den Job kostete. Und er erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen SRF.

Im Zentrum steht ein Mittagessen in Altstetten ZH. Dort soll Fischer gegenüber SRF-Leuten über sein gekauftes Covid-Zertifikat gesprochen haben.

Entscheidend ist nun aber nicht nur, was Fischer damals sagte. Sondern auch, unter welchen Bedingungen das Gespräch stattfand.

So kam es zum Interview mit SRF

Fischer erklärt die Situation mit dem langjährigen Vertrauensverhältnis zu SRF. Er habe in den vergangenen Jahren versucht, Schweizer Eishockey sichtbarer zu machen.

«Ich versuchte immer, das Produkt zu pushen, das Hockey an die Fans nahe zu bringen», sagt Fischer. Dafür habe er auch Türen geöffnet, etwa zur Garderobe der Nationalmannschaft.

Patrick Fischer
Patrick Fischer wirft SRF vor, eine Off-the-Record-Vereinbarung gebrochen zu haben. - youtube @patrick fischer

Aus dieser Offenheit sei zuerst eine Doku entstanden. Dabei seien die Mannschaft und Fischer persönlich begleitet worden.

Danach habe sich «10 vor 10» für ein Porträt interessiert. SRF habe Fischer persönlicher zeigen wollen.

«Ich war zu offen. Das war ein Fehler»

Die SRF-Leute seien dafür zu ihm nach Hause gekommen. Man habe Kaffee getrunken und alles besprochen. Danach sei es an Fischers Lieblingsort gegangen, in den Wald seines früheren Quartiers.

Dort habe er über seine Jugend und seine Eltern gesprochen. Fischer beschreibt die Situation als «sehr persönlich und privat».

So kam es schliesslich zum Mittagessen. Der Ex-Nati-Coach habe die SRF-Leute gefragt, ob sie mitkommen wollten.

«Wir sassen dort, ohne Kamera», sagt Fischer. Zwei Stunden lang habe man über viele Dinge gesprochen. Dann sei Covid zum Thema geworden.

Patrick Fischer sagt heute selbstkritisch: «Ich war zu offen. Das war ein Fehler.»

Am Tisch sassen SRF-Journalist Pascal Schmitz (41, bekannt aus «Schweiz Aktuell»), ein weiterer SRF-Mitarbeiter, ein Kameramann sowie Finn Sulzer (34), Medienchef des Eishockeyverbands.

SRF-Mann soll Off-the-Record bestätigt haben

Fischer sagt, sein Medienchef habe klar gemacht, dass das Gespräch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. «Das ist logisch, das ist nicht für die Öffentlichkeit», so Fischer.

Und dann kommt die brisante Aussage: «Das wurde bestätigt vom Schmitz am Tisch.»

Hast du schon mal ein Geheiminis verraten und es bereut?

Mehr noch: Pascal Schmitz soll dies am nächsten Tag sogar noch schriftlich festgehalten haben.

Im neuen Interview wird aus einer Mail vorgelesen, die Schmitz an Finn Sulzer geschickt haben soll. Darin soll der SRF-Mann geschrieben haben: «Ich schreibe dir bezüglich unseres «Off the Record»-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten.»

Patrick Fischer erzählt im Interview über die Situation mit dem SRF-Mann Pascal Schmitz.

Weiter heisst es laut vorgelesener Passage: «Mir ist die Bedeutung einer «Off the Record»-Vereinbarung sehr bewusst und ich nehme dies ernst.»

Für Fischer ist genau das der Knackpunkt. Denn später stand öffentlich vor allem eine Frage im Raum: Warum erzählte der Nati-Coach einem SRF-Journalisten überhaupt vom gefälschten Covid-Zertifikat?

Fischer sagt nun: Weil er nicht von einem öffentlichen Gespräch ausging.

Patrick Fischer: Vereinbarung wurde gebrochen

Auf die direkte Frage, ob eine Vereinbarung gebrochen worden sei, antwortet Fischer klar: «Ja, definitiv.»

Gleichzeitig räumt er eigene Fehler ein. «Jetzt bin ich doch auch schon 50», sagt Fischer. Er müsse lernen, besser abzuwägen, wem er was erzähle.

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Pascal Schmitz erzählt, wie er zur Information gekommen ist, dass Patrick Fischer sein Corona-Zertifikat gefälscht hat. - SRF

Seine Offenheit wolle er aber nicht verlieren. «Das bin ich», sagt er.

Dennoch ist sein Vorwurf deutlich. Laut Fischer sei in der öffentlichen Wahrnehmung hängen geblieben, er habe einfach unbedacht mit einem Journalisten gesprochen. Dass es eine Off-the-Record-Vereinbarung gegeben haben soll, sei dagegen kaum Thema gewesen.

Verband schwieg zu Off-the-Record-Punkt

Kritik übt Patrick Fischer auch am Eishockeyverband. Er verstehe bis heute nicht, weshalb der Verband die Vereinbarung damals nicht klar kommuniziert habe.

«Warum wir es vom Verband aus nie kommuniziert haben, weiss ich heute noch nicht», sagt er.

Auch Medienchef Finn Sulzer sei dadurch schlecht dagestanden.

Für Fischer war das ein wichtiger Punkt. Denn es habe nicht nur eine mündliche Absprache gegeben. Laut der im Gespräch vorgelesenen Mail soll Pascal Schmitz die Vereinbarung auch schriftlich bestätigt haben.

«Das stört mich am meisten»

Fischer befürchtet, dass die Affäre Folgen über seinen eigenen Fall hinaus hat. Prominente aus Sport, Politik oder Wirtschaft würden nach solchen Erfahrungen vorsichtiger mit Medien umgehen.

«Leider ja», sagt Fischer auf die entsprechende Frage. «Das stört mich am meisten in dieser Geschichte.»

Patrick Fischer
Patrick Fischer reiste mit gefälschtem Covid-Zertifikat nach Peking. - keystone

Er stehe eigentlich für Offenheit und Vertrauen. Doch die Affäre habe etwas verändert. Das Misstrauen sei dadurch gewachsen.

Für den 50-Jährigen ist die Covid-Affäre deshalb nicht nur eine persönliche Niederlage. Sie ist auch ein Bruch im Verhältnis zwischen Sport, Verband und Medien.

SRF: «Es gab keine ‹off the record›-Vereinbarung»

Und was sagt SRF zu den Vorwürfen von Patrick Fischer?

Auf Anfrage von Nau.ch klingt es beim Sender nämlich ganz anders.

«SRF hält an seiner bisherigen Darstellung fest: Es gab keine ‹off-the-record›-Vereinbarung vor dem Gespräch mit Patrick Fischer», heisst es.

Der Medienchef des Schweizerischen Eishockey-Verbandes habe erst im Nachgang zum besagten Mittagessen eine «off the record»-Forderung geltend machen wollen. So kam es zum erwähnten E-Mail Verkehr zwischen Pascal Schmitz und dem Medienchef.

«In seiner Antwort hat Pascal Schmitz auf diese nachträgliche Forderung Bezug genommen bzw. den Wortlaut des Verbandes wiedergegeben. Eine vorgängige ‹off-the-record›-Vereinbarung wurde damit nicht bestätigt», so SRF.

Aussagen fielen in beruflicher Situation

Im gleichen E-Mail habe Pascal Schmitz zudem klargestellt, dass er die Aussagen nicht einfach ignorieren kann und dass er – in Absprache mit der Chefredaktion – Patrick Fischer und dem Verband die Möglichkeit zur Stellungnahme geben will.

Schmitz
Patrick Fischer sprach gegenüber SRF-Redaktor Pascal Schmitz von seinem gefälschten Covid-Zertifikat. - SRF

SRF betont: «Eine ‹off-the-record›-Vereinbarung muss vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen – das ist ein anerkannter journalistischer Grundsatz. Das war hier nicht der Fall.»

Entscheidend sei zudem, dass die betreffende Aussage im Rahmen eines Drehtags für ein Porträt fiel, in einer klar erkennbaren beruflichen Situation im Beisein des Medienchefs und eines Kameramanns, und nicht in einem vorgängig vereinbarten «Off the Record»-Gespräch.

«SRF weist die Vorwürfe zurück»

«Ungeachtet dessen hat die Redaktion den nachträglich angebrachten Vorbehalt respektiert: Die entsprechenden Aussagen wurden weder als Zitat veröffentlicht noch wurde Patrick Fischer als Quelle genannt.»

Abschliessend heisst es: «SRF weist die Vorwürfe zurück, journalistische Grundsätze verletzt oder eine Vereinbarung gebrochen zu haben, und nimmt zur Kenntnis, dass Patrick Fischer die Situation anders beurteilt.»

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